US-Präsident Barack Obama

Reaktionen in den USA Eine besondere Beziehung, die abkühlt

Stand: 25.06.2016 01:55 Uhr

In Washington hat man besorgt auf den Brexit reagiert. Für die USA werden die Beziehungen sowohl zu Großbritannien als auch zur EU komplizierter. Innenpolitisch könnte die Entscheidung der Briten allerdings einer Person zugute kommen.

Von Torsten Teichmann, zur Zeit ARD-Studio Washington

Die Reaktionen in den USA lassen sich mit einer Frage zusammenfassen: Was bedeutet die Entscheidung in Großbritannien für Amerika? Der politisch linke Aktivist Van Jones glaubt, dass ein Brexit in den USA im Wahljahr vor allem den möglichen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner stärke. "Das hilft Donald Trump und schadet Leuten wie mir, die der Meinung sind, dass Einwanderung richtig ist." Für alle, die Trump nicht im Weißen Haus sehen wollen, sei der Brexit ein schlechtes Zeichen, so Jones.

So sehen es viele Amerikaner. Und so sieht es auch Trump selbst. Die Menschen wollten ihre Länder, ihre Währung, ihre Grenzen wieder haben, sagt der Milliardär, der sich auf Dienstreise in Schottland aufhält. Und das gelte nicht nur für Großbritannien: "Ich habe viele Freunde in Deutschland, die waren immer sehr stolz deutsch zu sein. Zu einem Grad, den man kaum für möglich hält. Und nun überlegen einige von ihnen wegzugehen, wegen des großen Zustroms von Menschen." Man wisse ja, was in Deutschland los sei, das sei ein echtes Problem, doziert der Präsidentschaftskandidat.

"Wir dürfen die allgemeine Stimmung nicht unterschätzen"

Parallelen zwischen Brexit-Anhängern und Trump-Wählern sieht offenbar auch der US-Diplomat Richard Haass vom Council of Foreign Policiy in New York. Politiker müssten aufmerksamer sein, ist seine Empfehlung. "Wir dürfen die allgemeine Stimmung nicht unterschätzen". Dass heiße vor allem, "das Gefühl der Entfremdung nicht unterschätzen, dass viele Bürger gegenüber staatlichen Strukturen und gewählten Politikern hegen. Und nicht die Angst unterschätzen, die viele mit Globalisierung, technischem Wandel und Erfahrung von Arbeitslosigkeit verbinden."

Das ist auch die Erklärung die US-Präsident Barack Obama anbietet: Die Entscheidung für einen Brexit sei eine Reaktion auf Veränderungen und Herausforderungen durch die sogenannte Globalisierung. Gleichzeitig beharrt Obama aber darauf, dass sich zwar das Verhältnis von Vereinigtem Königreich und Europäischer Union ändern werde, doch sonst bleibe alles gleich. "Unsere gemeinsamen Werte, die Verpflichtung zu Demokratie, zu Pluralismus, zur Chancengleichheit aller Menschen in einer globalisierten Welt, werden uns alle weiter verbinden", so der Präsident.

Die USA müssen sich anderen Staaten zuwenden

Das heißt, die spezielle Partnerschaft zwischen den USA und Großbritannien sei unverändert. Die Zusammenarbeit in der NATO nehme keinen Schaden. Aber ist das realistisch? Diplomat Haass glaubt, dass der Brexit auch für die US-Regierung politische Konsequenzen haben wird. "Letztendlich schadet es den USA. Das Vereinigte Königreich ist einer der wichtigsten Partner. Großbritannien wird weniger in der Lage sein, diese Rolle zu übernehmen", so Haass. "Die besonderen Beziehungen werden damit nicht mehr so besonders sein. Und den USA bleibt nichts anders als sich anderen Staaten zuzuwenden."

Obama hat bereits mit Bundeskanzlerin Angela Merkel telefoniert. Beide haben vereinbart, dass die USA und die Europäische Union in den kommenden Wochen und Monaten enger zusammen arbeiten werden.

US-Amerikaner ziehen Parallelen zu Trump-Kampagne
Torsten Teichmann, zzt. ARD-Studo Washington
25.06.2016 00:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Juni 2016 um 12:32 Uhr

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