Wandgemälde in Bristol / UK

Brexit-Turbo dank Trump Trump lockt Briten mit Vorzugsbehandlung

Stand: 20.01.2017 04:27 Uhr

Für Donald Trump war der Brexit Großbritanniens schon im Wahlkampf ein Leitmotiv. Nun lockt er das Vereinigte Königreich mit einem Freihandelsvertrag. Doch der Handel mit der EU ist für Großbritannien unverzichtbar.

Von Ralph Sina, ARD-Studio Brüssel

Prophezeit hatte er ihn zwei Monate vor dem EU-Referendum der Briten. Als der Brexit dann da war, machte Donald Trump den Ausstieg Großbritanniens aus der EU zum Leitmotiv seines Wahlkampfes. Schon bald werde man ihn "Mr. Brexit" nennen, teilte er via Twitter mit. Einen "Brexitplusplusplus" werde es am Wahltag geben, kündigte Trump an.

Vorzugsbehandlung für Großbritannien

Für die EU-Verhandlungen mit London bedeutet dies: Junckers Brexit-Team muss sich auf eine britische Regierung einstellen, die fest auf das Weiße Haus und den US-Kongress baut. Hatte Obama noch gedroht, das Vereinigte Königreich müsse sich nach einem EU-Austritt ganz hinten anstellen in der Warteschlange für einen Freihandelsvertrag, so lockt Trump London mit einer Vorzugsbehandlung.

Eine phantastische Beziehung zur Regierung in London schwebt Trump vor. Viel besser als zur Endphase der Obama-Präsidentschaft. Doch die EU-Diplomaten in Brüssel registrieren aufmerksam, dass die britische Premierministerin Theresa May für Trump erst an dritter Stelle kommt. Der erste britische Politiker, den Trump nach seinem Wahlsieg empfing, war der Rechtspopulist und ehemalige UKIP-Chef Nigel Farage. Der EU-Parlamentarier und Brexit-Architekt hatte Trump bereits während dessen Wahlkampfs intensiv beraten und rhetorisch trainiert.

Brüssel unter Druck

Als zweiter Brite bekam der ehemalige Minister und Brexit-Befürworter Michael Gove Zugang zum Trump-Tower - in seiner Rolle als Trump-Interviewer für die Londoner Sunday Times. Immerhin durfte Mays Außenminister Boris Johnson sich in Sachen Brexit in diesem Monat schon einmal mit den beiden engsten Trump-Beratern treffen: mit dem Chefstrategen Steve Bennon und mit Trumps Schwiegersohn und Berater Jared Kushner.

Es sei sehr gut, dass die Vereinigten Staaten zügig einen Freihandelsvertrag mit Großbritannien anstrebten, betonte Boris Johnson beim Außenministertreffen in Brüssel. Es sei großartig, diese Botschaft von Trump zu hören. Natürlich müsse dieser Vertrag den Interessen beider Seiten gerecht werden, unterstrich Johnson in Brüssel. Die EU-Kommission muss sich darauf einstellen, dass Großbritannien Trumps Brexit-Begeisterung nutzt, um Brüssel unter Druck zu setzen.

EU bleibt wichtigster Handelspartner

Freihandel mit der EU ja, aber das Prinzip der Freizügigkeit für EU-Arbeitnehmer gilt für Großbritannien nicht mehr. Und auch die Urteile des Europäischen Gerichtshofes wären nach dem Brexit für London Makulatur. Die EU kann sich auf diese Bedingungen nicht einlassen, ohne das weitere Auseinanderbrechen der EU zu riskieren. Darauf wartet Trump bereits. Umgekehrt kann Großbritannien nicht auf einen Handelsvertrag mit der EU verzichten. Denn die 27 EU-Mitgliedsstaaten sind für das Vereinigte Königreich weit wichtigere Handelspartner als die USA.

Brexit und Trump: EU verhandelt nun auch gegen Washington
Ralph Sina, WDR Brüssel
19.01.2017 21:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR5 am 20. Januar 2017 um 06:41 Uhr

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