Kommentar

Brexit-Gespräche May ohne Kompass

Stand: 05.02.2018 19:27 Uhr

Großbritannien erwartet von ihr Führung. Doch Premier May gibt keine Richtung vor. Sie schwankt zwischen den Lagern ihrer Partei, die ihr wichtiger zu sein scheint als das Land.

Ein Kommentar von Julie Kurz, ARD-Studio London

Wenn es in diesen turbulenten Regierungszeiten auf der Insel eine Beständigkeit gibt, dann sind es die Rücktrittsforderung an Theresa May. Diese Woche titelt selbst der konservative "Spectator": "Lead or Go".

Man kann Bewunderung für das Stehvermögen von Theresa May haben. Man kann es auch schlicht als sturköpfig und realitätsfern bezeichnen. Die Wirtschaft, die Bürger - sie alle wollen wissen, wohin dieses Land steuert.

Nur die Chefin gibt keine Richtung vor. Sie scheint keine Vision zu haben. Von einer Brexit-Rede, die eigentlich für den Beginn des Jahres angedacht war, ist plötzlich keine Rede mehr.

Getrieben von Johnson und Gove

Theresa May regiert dieses Land nicht, sie verwaltet es eher. Sie taumelt zwischen den beiden Lagern in ihrer Partei hin und her, vor allem getrieben von den polternden Brexit-Verfechtern Boris Johnson und Michael Gove. Das Duo infernale plane längst die Machtübernahme, hieß es gestern in der "Sunday Times".

Gott bewahre! Und Theresa May? Auch sie scheint zu zittern. Wie sonst ist zu erklären, dass sie heute klar ausschloss, Großbritannien bleibe nach dem Brexit Teil der Zollunion.

Es zeigt einmal wieder, auch dieser Premierministerin scheint es weniger um das Wohl des Landes zu gehen als um die Befriedung der Partei. Im gleichen Irrglauben hatte ihr Vorgänger David Cameron das Referendum einberufen. Wir alle wissen, wie es ausging.

Kommentar von Julie Kurz, ARD London, zu den Brexit-Gesprächen
05.02.2018, Julia Kurz, ARD London

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Februar 2018 um 05:05 Uhr.

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