Ein Traktor pflügt ein Spargelfeld in Kyhna (Großbritannien)

EU-Agrarbeihilfen Brexit als Bauernalbtraum?

Stand: 16.06.2017 10:59 Uhr

Es waren gerade die britischen Bauern, die laut nach dem Brexit geschrien haben. Denn sie hatten die EU-Vorschriften satt. Wenn Großbritannien aber aus der EU aussteigt, entfallen hohe Summen an Agrarsubventionen. Wie sollen sie das überleben?

Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

"Wir wollen raus aus der EU": Vor allem auf dem Land stimmten viele Briten für den Brexit, denn sie hatten europäische Regelungen und Gesetze satt. Aber mit dem Ausstieg aus der EU fallen auch die europäischen Agrarsubventionen weg.

EU-Agrarkommissar Phil Hogan | Bildquelle: AFP
galerie

EU-Agrarkommissar Phil Hogan ist sich sicher, dass der Brexit die britischen Bauern stark unter Druck setzen wird.

Britische Bauern bekommen pro Jahr fast vier Milliarden Euro an EU-Beihilfen. Etwa die Hälfte ihres Einkommens stammt aus Brüssel. Die britische Regierung hat angekündigt, diese Agrarsubventionen in Zukunft an die Bauern zu zahlen. Allerdings nur bis 2020.

Keine Subventionen, keine Arbeiter

"Ich habe die Bauern gewarnt", sagt EU-Kommissar Phil Hogan. Der großgewachsene Ire mit Glatze und Brille ist in der Kommission für Landwirtschaft zuständig. "Ich habe ihnen gesagt, dass ich auch nach 2020 Geld garantieren kann. Von der britischen Regierung gibt es bislang keine Aussagen darüber, ob die Zahlungen in Zukunft genauso hoch sein werden wie die der EU", kritisiert Hogan.

alt Prinz Andrew | Bildquelle: picture alliance / Andy Rain/EPA

Prinz Andrew zur Wirtschaft nach dem Brexit

Mitglieder des britischen Königshauses kommentieren äußerst selten das aktuelle Geschehen - nun hat sich der Sohn von Königin Elizabeth II., Prinz Andrew, zum Ausstieg des Landes aus der EU geäußert. Er erwarte nach dem Brexit jahrelange "Unsicherheit und Schwierigkeiten" für die britische Wirtschaft, sagte der 57-Jährige in einem BBC-Interview. Dennoch sollten britische Firmen das Beste aus der Situation machen, riet der Prinz. Nach dem Brexit gebe es noch immer Chancen in den Commonwealth-Staaten sowie in den USA und China.
Prinz Andrew hat eine enge Verbindung zur britischen Wirtschaft. Zwischen 2001 und 2011 war er als Handelsgesandter für Großbritannien tätig.

Viele Landwirte, die Gerste oder Kartoffeln anbauen, Milchkühe oder Schweine halten, werden ohne europäische Beihilfen möglicherweise nicht überleben können.

Hinzu kommt noch ein anderes Problem: Die britische Regierung will mit dem Brexit die Zuwanderung von europäischen Arbeitnehmern nach Großbritannien massiv begrenzen. Doch auf britischen Feldern bücken sich vor allem Arbeiter aus Polen, Bulgarien oder Rumänien. Viele Bauern machen sich schon jetzt Sorgen, wer die Niedriglohnarbeit in Zukunft erledigen wird.

"Rache der Brexit-Fehlentscheidung"

"Die britische Regierung muss jetzt ehrlich sein zu den Landwirten", fordert EU-Agrarkommissar Hogan. Die Regierung in London muss den Bauern sagen, wie ihre Landwirtschaftspolitik aussehen wird und wie sie finanziert werden soll, sagt der Ire.

Für die britischen Bauern könnte der Brexit zu einem Albtraum werden. Hogan setzt darauf, dass Großbritannien im europäischen Binnenmarkt bleiben wird. Für die Landwirte ist das alles sehr bedauernswert, findet er, ist sich aber sicher, dass sich ihre Brexit-Fehlentscheidung rächen wird.

Britische Bauernbetriebe und der Brexit
K. Bensch, ARD Brüssel
16.06.2017 10:05 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 16. Juni 2017 um 07:18 Uhr im "Morgenecho".

Darstellung: