Big Ben hinter der unscharfen Flagge Großbritanniens

Britisches Ministerium veröffentlicht Zahlen Mehr rassistische Übergriffe seit Brexit

Stand: 13.10.2016 16:59 Uhr

Im Juni entschieden sich die Briten für den Brexit - seither werden dort immer mehr fremdenfeindliche Straftaten verübt. Im Juli sei im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Anstieg von 41 Prozent zu verzeichnen, teilte das Innenministerium in London mit.

In England und Wales werden immer mehr fremdenfeindliche Straftaten verübt. Insbesondere seit dem Brexit-Referendum sei ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen, teilte das britische Innenministerium unter Berufung auf Polizeistatistiken mit.

Demnach nahm die Zahl rassistisch oder religiös motivierter Übergriffe im Juli um 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu. Am 23. Juni hatte sich eine knappe Mehrheit der britischen Wähler für den Ausstieg aus der EU ausgesprochen. Ein zentrales Thema der Diskussion vor dem EU-Referendum war die Einwanderung aus EU-Staaten.

5500 Fälle im Juli

Bereits im Juni habe sich ein Anstieg abgezeichnet, "gefolgt von einem noch drastischeren Anstieg im Juli" mit 5500 Fällen. Dazu zählten verbale wie körperliche Angriffe gegen Bürger anderer EU-Nationen sowie gegen britische Muslime und Angehörige anderer Minderheiten. Im August seien die Zahlen dann wieder etwas gefallen, hätten aber immer noch über dem Niveau in den Monaten vor dem Brexit-Entscheid gelegen.

"Die Zahlen machen sehr deutlich, dass einige Leute das Referendum nutzten, um ihre erbärmliche Sichtweise zu rechtfertigen oder Intoleranz und Hass zu verbreiten", sagte der Chef der regierungsgeförderten Menschenrechtskommission, David Isaac, zu dem Bericht.

"Sun" verglich Flüchtlinge mit Kakerlaken

Vor einigen Wochen hatte bereits der Europarat beklagt, dass die Anti-EU-Kampagne vor dem Brexit-Referendum zu mehr Fremdenfeindlichkeit in Großbritannien geführt habe. "Es ist kein Zufall, dass rassistische Gewalt im Vereinigten Königreich zur gleichen Zeit zunimmt, da wir beunruhigende Beispiele von Intoleranz und hasserfüllter Sprache in den Zeitungen, im Internet und selbst bei Politikern finden", sagte Christian Ahlund, Chef der Europäischen Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI). So habe beispielsweise die Boulevardzeitung "The Sun" einen Artikel über Flüchtlinge mit dem Titel überschrieben "Rettungsboote? Ich würde Kanonenboote verwenden, um Flüchtlinge aufzuhalten". In dem Beitrag seien Migranten zudem mit "Kakerlaken" verglichen worden. Ahlund kritisierte auch die Äußerungen des damaligen Premiers David Cameron, der im Juli 2015 von einem "Schwarm" von Migranten gesprochen hatte, die die britische Küste zu erreichen versuchten.

Über dieses Thema berichtete das Nachtmagazin am 14. Oktober 2016 um 00:06 Uhr.

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