Cameron während seine Rede beim Autobauer Vauxhall | Bildquelle: dpa

Brexit-Debatte spaltet die Tories Feind, Todfeind, Parteifreund

Stand: 15.03.2016 03:43 Uhr

Der Ton zwischen CDU und CSU wirkt geradezu harmonisch, wenn man ihn mit dem vergleicht, was derzeit bei den britischen Konservativen abläuft. Die Tories streiten über einen möglichen EU-Austritt - und sind dabei wenig zimperlich.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

David Cameron, der Kämpfer für die EU. Kaum ein Tag vergeht, an dem er nicht irgendwo auf der Insel auftritt, um die Vorteile der EU-Mitgliedschaft hervorzuheben und vor den Risiken des Austritts zu warnen: So auch vor der Belegschaft der Vauxhall-Opel-Fabrik in Chester. Dort warnte er vor einem Wirtschafts- und Finanzschock durch einen Brexit, vor dem Verlust von Arbeitsplätzen und Lebensunterhalt, Pleiten und höheren Hypothekenzinsen.

Cameron während seine Rede beim Autobauer Vauxhall | Bildquelle: REUTERS
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Cameron hielt eine flammende Rede für den Verbleib in der EU...

Chris Grayling | Bildquelle: dpa
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... sein Parteifreund Grayling ist anderer Meinung und äußert das auch deutlich.

Noch eine Rede - für den Austritt

Im Land des "My Home is My Castle" gibt es kaum eine größere Sorge als die vor einem Anstieg der Hypothekenzinsen. Kein Wunder, dass die Kämpfer für den Austritt aus der EU aufjaulen und dem Premierminister eine Angstkampagne vorwerfen. "Das habe ich ja noch nie gehört und das akzeptiere ich auch nicht", sagte Chris Grayling, der konservative Leader of the Commons. Er hielt ebenfalls eine Rede - für den Austritt. Normalerweise sitzt Grayling mit Cameron am Kabinettstisch - und im Unterhaus direkt neben dem Premierminister in der ersten Bank.

Selten trifft die Steigerung Feind, Todfeind, Parteifreund so zu wie diesmal: Erbittert bekämpfen sich die Tories und werfen sich gegenseitig Foul-Play vor. So wie im am Mittwoch im Unterhaus der konservative Austrittsveteran Bill Cash. Die Regierung sei verpflichtet, unparteiische und neutrale Informationen zur britischen EU-Mitgliedschaft bereitzustellen. Die drei jetzt veröffentlichten Weißbücher aber seien eine einzige Werbebotschaft für die EU - unparteiisch seien sie nicht, so Cash. Cameron blaffte zurück: Die EU-Gegner sollten sich weniger mit dem Prozess und mehr mit den Inhalten auseinander setzen.

Wer hat behauptet, die Queen sei für den Austritt?

Zuvor hatte im Parlament Notenbankchef Mark Carney den EU-Austritt als das kurzfristig größte Risiko für das Land bezeichnet. Der konservative Abgeordnete Jakob Rees-Mogg kanzelte solche Spekulationen als unter der Würde der Bank von England ab und legte Carney den Rücktritt nahe.

In Medienberichten heißt es, Justizminister Michael Gove, die prominenteste Brexit-Figur an Camerons Kabinettstisch, habe die inzwischen dementierte Information an die Boulevardpresse durchgestochen, dass die Queen für den EU-Austritt sei.  

Boris Johnson | Bildquelle: REUTERS
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Londons Bürgermeister Johnson ist einer der Frontmänner der Austrittskampagne.

Eine Opposition braucht das Land derzeit nicht

Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson, Frontmann der Austrittskampagne, hat unterdessen Cameron vorgeworfen, den Chef der britischen Handelskammer zum Rücktritt gedrängt zu haben, weil der die großartigen Chancen Großbritanniens außerhalb der EU gepriesen habe. Auch Boris Johnson ist Camerons Parteifreund.

Eine Opposition braucht das Land derzeit nicht. Die Konservativen machen den Streit um Europa allein unter sich aus.

Erbitterter Streit innerhalb der Tories über die EU-Mitgliedschaft
J.-P. Marquardt (NDR, London)
10.03.2016 17:30 Uhr

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