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Schlussplädoyers im Breivik-Prozess
Nun sind die Richter gefragt
Ist Anders Breivik schuldfähig oder nicht? Anklage und Verteidigung haben darüber verschiedene Ansichten, auch zwei psychologische Gutachten kommen zu unterschiedlichen Erkenntnissen. Nun sind die Richter gefragt. Von ihrem Urteil hängt ab, ob der Attentäter ins Gefängnis kommt oder in eine geschlossene Psychiatrie.
Von Carsten Vick, ARD-Hörfunkstudio Stockholm
Nun müssen die Richter entscheiden: Am 24. August werden sie ihr Urteil sprechen und den Attentäter entweder - so sie ihn als schuldfähig erachten - zu einer Gefängnisstrafe verurteilen, oder aber - falls sie ihn als nicht zurechnungsfähig einstufen - ihn in eine geschlossene Psychiatrie einweisen. Keine leichte Aufgebe bei zwei unterschiedlichen rechtspsychiatrischen Gutachten und der häufig gestellten Frage: Wo liegt die Grenze zwischen extremistischem Fanatismus und Wahnsinn?
Ende des Breivik-Prozesses
C. Vick, ARD Stockholm
22.06.2012 18:39 Uhr
Verteidigung will Gefängnisstrafe
Nachdem die Staatsanwaltschaft am Donnerstag auf "nicht zurechnungsfähig" plädierte, kam die Verteidigung heute wie zu erwarten zu einem anderen Schluss. Die Anwältin Vibeke Hein Baera: "Wir plädieren darauf, dem Antrag der Staatsanwaltschaft, Anders Breivik in psychiatrische Zwangshaft zu überführen, nicht stattzugeben. Wir beantragen ihn freizusprechen, oder ihn auf die mildeste mögliche Weise zu verurteilen."
Anwalt Geir Lippestad begründete das so: "Meine These ist, dass der Extremismus der Grund für seine Handlungen ist. Es ist der Terrorist in ihm, es ist der zynische, skrupellose Terrorist, der die Ursache ist für seine Taten am 22. Juli."
Hinterbliebene verlassen Gerichtssaal
Und Breivik selbst? In seiner zum Teil wirren Schlussrede beharrte er darauf, zurechnungsfähig zu sein und bezeichnete seine Taten, so wörtlich, "als barbarisch, aber gerechtfertigt". Zahlreiche Zuhörer - darunter auch Überlebende und Hinterbliebene der Opfer, hatten zu diesem Zeitpunkt den Gerichtssaal aus Protest verlassen.
Trond Blattman verlor einen Sohn durch die Attentate und ist als Sprecher der Angehörigen mit dem Prozess zufrieden. "Ein Lob, wie der Prozess durchgeführt wurde. Das Gericht hat großartige Arbeit geleistet, ein würdiger Prozess. Fantastische Zeugen, die beschrieben haben wie grausam es war. Die Bilder und die Obduktionsberichte, das war schon hart - aber wichtig."
Belastungsprobe für die Nation
Und so sind die allermeisten Menschen in Norwegen nun auch froh, dass der Prozess nach zehn Wochen beendet ist. Ein ganzes Land will wieder nach vorn blicken, nichts mehr hören, sehen oder lesen über den Attentäter. Der Prozess war eine Belastungsprobe für eine ganze Nation - und ganz besonders für Hinterbliebene wie Blattman "Es war ein sehr hartes Erlebnis - und das kann man nur mit einem Wort beschreiben und das ist: Hölle".
Breiviks Strafverteidigung plädiert auf "schuldfähig"
tagesthemen 23:15 Uhr, 22.06.2012, Clas Oliver Richter, ARD Stockholm zzt. Oslo
Stand: 22.06.2012 19:29 Uhr
