Anders Behring Breivik am Tag der Urteilsverkündung | Bildquelle: AFP

Exponate des Doppelanschlags von 2011 Breivik-Ausstellung spaltet Norwegen

Stand: 18.07.2015 12:48 Uhr

Kurz vor dem vierten Jahrestag der Anschläge des Rechtsterroristen Breivik diskutiert Norwegen über eine Ausstellung. Sie soll Exponate zeigen, die Breivik bei seinem Doppelanschlag benutzte. Angehörige von Opfern fürchten eine "Hall of Fame".

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Am 22. Juli 2015 jährt sich der Doppelanschlag von Anders Behring Breivik zum vierten Mal. In diesem Jahr haben die jungen norwegischen Sozialdemokraten erstmals seit dem Attentat wieder ihr alljährliches Sommercamp auf Utöya organisiert. Dort soll nun auch eine Gedenkstätte eingeweiht werden, um an die Opfer des Rechtsextremisten zu erinnern.

Für Streit sorgt derweil eine Ausstellung, die in der Hauptstadt eröffnet werden soll. In Oslo hatte Breivik eine Autobombe gezündet – zum einen, um im Regierungsviertel Menschen zu töten, zum anderen, um die Einsatzkräfte von dem folgenden Massaker auf Utöya abzulenken.

Breiviks Ausrüstung

Blick in den Krater, den die von Breivik gezündete Bombe im Osloer Regierungsviertel hinterlassen hat | Bildquelle: dpa
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Krater, den Breiviks Bombe im Osloer Regierungsviertel hinterlassen hat.

In der Ausstellung sollen Gegenstände gezeigt werden, die Breivik am 22. Juli 2011 verwendet hatte. Beispielsweise ein falscher Pass und eine Polizeimarke, mit der sich der Massenmörder als Polizist ausgegeben hatte; dazu die Reste des Autos, in dem er die Bombe in Oslo platziert hatte, sowie ein Koffer mit seiner Ausrüstung.

Die Ausstellung soll auf zwei Etagen vermitteln, was am 22. Juli 2011 geschehen ist. Um dieses Ziel zu erreichen, werden auch Bilder, Interviews und Berichte rund um die Anschläge präsentiert.

Kritik an Ausstellung

Die Pläne sorgen für Kritik: "Ein Breivik-Museum im Regierungsviertel? - Nein, danke!", twitterte John Christian Elden, einer der Anwälte der Nebenkläger im Prozess gegen Breivik. Die Ausstellungsstücke seien im Kriminalmuseum in Trondheim besser aufgehoben.

John Christian Elden @jcelden
Breivikmuseum i Regjeringskvartalet? Nei takk. Send godset til kriminalmuseet i trondheim i stedet. http://t.co/HxFcDm6nFK

Der Grünen-Vertreter Anders Skyrud Danielsen warnte vor der Gefahr, eine "Pilgerstätte für Rechtsextreme" einzurichten.

Anders S. Danielsen @andersskyrud
har noen vurdert risikoen for at dette "informasjonssenteret" blir et alter for høyreekstreme? http://t.co/Setqr9NWFL

Tor Östbö, der bei dem Anschlag seine Ehefrau verlor, kritisierte im norwegischen Rundfunk, Breivik erhalte nun genau die Aufmerksamkeit, die er haben wolle. Die Ausstellung in Oslo fokussiere sich zu sehr auf den Täter. Breivik erhalte eine Art "Hall of fame", dabei sollte er im Gefängnis vergessen werden.

Rosen schwimmen vor der Insel Utöya im Wasser. | Bildquelle: dpa
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Rosen schwimmen vor der Insel Utöya im Wasser.

Tor Einar Fagerland, der fachlich für die Ausstellung verantwortlich ist, zeigte im NRK Verständnis für die Bedenken der Angehörigen, gab jedoch zu bedenken, dass es für die Demokratie wichtig sei, den Terroranschlag zu dokumentieren.

Fagerland betonte, dass sich die Ausstellung auf die Berichte der Überlebenden und Zeugen konzentriere. Man habe Exponate behutsam ausgewählt, um Breivik nicht zu heroisieren. Viele Gegenstände habe man für ungeeignet befunden.

"Kult um Breivik verhindern"

Auch der Autor Aage Storm Borchgrevink verteidigt die Ausstellung: Wenn man versuche, Breiviks Geschichte zu verdecken, so werde der Rechtsextremist viel eher zu einer mystischen Figur. Es lasse sich kaum verhindern, dass Anhänger Breiviks, beispielsweise russische Rechtsextreme, die Ausstellung besuchen würden.

Doch ein Kult um Breivik lasse sich effektiver bekämpfen, wenn die Geschichte offen so erzählt werde, wie sie sich zugetragen habe, sagt Borchgrevink, der 2012 ein Buch über die Jugend und Radikalisierung des Attentäters veröffentlicht hatte.

Netzwerk und neue Anschläge

Breivik selbst will unterdessen den norwegischen Staat verklagen, weil dieser aus seiner Sicht gegen die europäische Menschenrechtskonvention verstößt. Konkret geht es um Breiviks Einzelhaft in einem Hochsicherheitstrakt. Der Anwalt des Rechtsextremisten beklagte, sein Mandant habe keinen Kontakt zu anderen Gefangenen – und auch nur sehr begrenzt Besuch empfangen. Auch die Zensur von Breiviks Post kritisierte der Anwalt.

Anders Behring Breivik | Bildquelle: dpa
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Anders Behring Breivik mit kämpferischer Pose im Gerichtssaal

Im vergangenen Jahr hatte die zuständige Behörde verhindert, dass Breivik zahlreiche Briefe an mutmaßliche Sympathisanten verschicken konnte. Der Rechtsterrorist habe mehr als 220 Briefe geschrieben, die er an ihm persönlich unbekannte Personen senden wollte, berichtete die Zeitung "Verdensgang".

Offenkundig habe Breivik ein Netzwerk aufbauen wollen. Sein Ziel sei es, als Führer einer terroristischen Bewegung agieren zu können. Breivik kündigte in den Briefen demnach an, es werde weitere Anschläge geben – und dass er intensiv daran arbeite, eine Partei aufzubauen.

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