Proteste in Brasilien | Bildquelle: AFP

Massendemonstrationen in Brasilien Proteste statt Fußball-Party

Stand: 19.06.2013 10:50 Uhr

Erneut sind in Brasilien Zehntausende Menschen in mehreren Städten auf die Straße gegangen. In Sao Paulo demonstrierten rund 50.000 Menschen gegen soziale Missstände und die hohen Kosten der anstehenden Großveranstaltungen im Land. Teilweise kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Mehrere Geschäfte wurden geplündert, ein Übertragungswagen eines Fernsehsenders ging in Flammen auf, eine Bank brannte aus.

Um die Sicherheit während des laufenden Confed-Cups zu garantieren, wurde das Militär entsandt. Das Justizministerium teilte mit, dass die Soldaten in fünf der sechs Städte stationiert sind, in denen Fußballspiele ausgetragen werden.

Zehntausende protestieren weiter gegen Korruption und Misswirtschaft
tagesschau 20:00 Uhr, 19.06.2013, Michael Stocks, ARD Rio de Janeiro

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Staatschefin Rousseff begrüßt Demonstrationen

Staatschefin Dilma Rousseff begrüßte die Demonstrationen: "Die Stimmen der Straße müssen gehört werden", sagte sie. Nach dem Aufstieg Brasiliens zur siebtgrößten Volkswirtschaft der Welt zeigte sie Verständnis für die Forderungen der Bevölkerung. Die Bürger könnten nun "mehr verlangen" und hätten "ein Recht auf mehr". Rousseff war in der Zeit der brasilianischen Militärdiktatur zwischen 1964 und 1985 Teil der linken Untergrundbewegung und saß fast vier Jahre im Gefängnis. Trotz ihrer positiven Haltung machte sie keine konkreten Zusagen. Sie reiste kurzfristig nach Sao Paulo um sich mit Ex-Präsident Lula da Silva zu beraten.

Fahrpreise werden teilweise angepasst

Als Reaktion auf die Massenproteste haben mindestens fünf Städte angekündigt, die Erhöhung der Fahrpreise im öffentlichen Nahverkehr zurückzunehmen - unter anderem Porto Alegre und Recife. Auch der Bürgermeister von Sao Paulo, wo die Proteste vor mehr als einer Woche begonnen hatten, erwägt, die Tickets künftig wieder günstiger zu machen. Es müsse jedoch ein Ausgleich für die Einnahmeausfälle gefunden werden.

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Protestwelle in Brasilien

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