Demonstranten, verkleidet als Lula und Rousseff, in Sao Paulo | Bildquelle: AP

Massenkundgebungen in Brasilien Hunderttausende protestieren gegen Rousseff

Stand: 13.03.2016 22:29 Uhr

Fast eine Millionen Menschen in 160 Städten haben gegen Brasiliens Präsidentin Rousseff demonstriert. Sie steht seit Monaten wegen eines Korruptionsskandals in der Kritik. Doch auch wegen der Wirtschaftskrise im Land fordern 60 Prozent der Brasilianer ihre Amtsenthebung.

Knapp eine Million Menschen haben in Brasilien für eine Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff demonstriert. Nach Angaben der Polizei demonstrierten in 160 Städten mindestens 960.000 Menschen, berichtete das Nachrichtenportal "O Globo".

Rund 100.000 Menschen gingen in der Hauptstadt Brasilia auf die Straße. Bis zu 200.000 Menschen waren es laut Organisatoren in Rio de Janeiro. In São Paulo fand am Nachmittag die größte Kundgebung statt, hier liegen aber noch keine genauen Zahlen vor.

Demonstranten in Sao Paulo | Bildquelle: AP
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Die Demonstranten in Sao Paulo führten riesige Gummipuppen, die den ehemaligen Präsidenten Lula da Silva und seine Nachfolgerin Rousseff darstellen, mit sich.

Oppositionsparteien machen Druck

Erstmals seit Beginn der Proteste gegen Rousseff beteiligten sich die Oppositionsparteien aktiv an den Demonstrationen. Die rechte Opposition hofft, durch die Massenproteste den Druck auf die Abgeordneten zu erhöhen, damit diese für eine Amtsenthebung der Präsidentin stimmen. Rousseffs Mandat läuft regulär bis Ende 2018. Die Zustimmungswerte der linksgerichteten Staatschefin liegen mittlerweile nur noch bei knapp zehn Prozent, für ihre Amtsenthebung sind laut Umfragen rund 60 Prozent der Brasilianer.

Die jüngsten Korruptionsermittlungen gegen ihren Vorgänger und Parteifreund Luiz Inácio Lula da Silva bringen Rousseff weiter in Bedrängnis. Lula war vergangene Woche im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre um den Ölkonzern Petrobras verhört worden. Dabei ging es um eine Luxuswohnung in der Küstenstadt Guaruja im Bundesstaat São Paulo, deren Besitz er den Behörden verschwiegen haben soll. Lula gibt an, nicht der Eigentümer des fraglichen Objekts zu sein.

Dilma Rousseff | Bildquelle: AFP
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Neues Ungemach für Rousseff: Die Proteste gehen weiter.

Schwerwiegende Vorwürfe

Die konservative Opposition wirft Rousseff vor, ihren Wahlkampf 2014 illegal mit Spenden von Zulieferern des Energiekonzerns Petrobras finanziert und den Haushalt 2014 sowie im ersten Halbjahr 2015 geschönt zu haben. Ein Gericht erklärte den Etat im vergangenen Oktober wegen zahlreicher Unregelmäßigkeiten für illegal. Doch ein Amtsenthebungsfahren gegen Rousseff wurde vom Obersten Bundesgericht vorläufig gestoppt.

Brasiliens Staatspräsidentin Rousseff massiv in Bedrängnis
J. Paas, ARD Buenos Aires
14.03.2016 02:23 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 13. März 2016 um 23:20 Uhr.

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