Olympische Spiele in Brasilien Ist Zika eine Gefahr für Rio?

Stand: 05.02.2016 12:49 Uhr

Die brasilianische Regierung hat eine Absage der Olympischen Spiele im Sommer wegen des Zika-Virus ausgeschlossen. Die Organisatoren bauen auf Vorsichtsmaßnahmen und den brasilianischen Winter.

Von Julio Segador, ARD-Studio Südamerika

Die Mitglieder des Organisationskomitees für die Olympischen Spiele in Rio wähnen sich in diesen Tagen wie im falschen Film. Sechs Monate vor Beginn der Spiele stehen sie Reportern fast ununterbrochen Rede und Antwort. Dabei geht es nicht um Sportstätten oder olympische Disziplinen, sondern um eine kleine gestreifte Mücke und um das, was Aedes Aegypti - so heißt die Mücke - übertragen kann. Das Zika-Virus.

Organisatoren empfehlen Mückenschutz

Dr. Joao Grangeiro, beim Organisationskomitee zuständig für medizinische Fragen, ist inzwischen als Gesprächspartner in den Mittelpunkt gerückt. Er setzt darauf, dass die Mücke im brasilianischen Winter, wenn die Spiele stattfinden, kaum noch aktiv ist und die Zahl der Zika-Fälle drastisch zurückgeht. Grangeiro verweist zudem auf die Hinweise von Organisationskomitee, IOC und den nationalen Olympischen Komitees: Entsprechende Kleidung tragen und notfalls müsse eben ein Mückenschutz auf die Haut aufgetragen werden.

Schwangere sollten nicht nach Rio reisen

Zika verbreitet sich explosionsartig - so hat es die Weltgesundheitsorganisation beschrieben und den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Seither grassiert Zika-Panik. Die wurde nicht geringer, als die Regierung in Brasilia Schwangeren indirekt empfahl, besser daheim zu bleiben und nicht nach Rio zu Olympia anzureisen. Paulo Gadelha, der Präsident der Fiocruz-Behörde, die dem Gesundheitsministerium untersteht und Tests, Impfungen und Medikamente gegen Infektionskrankheiten entwickelt, steht hinter dieser Entscheidung. "Uns ist klar, dass eine schwangere Besucherin stets besonders vorsichtig sein muss, wenn sie in ein Land reist, in dem sie sich anstecken kann". Auch er empfiehlt Mückenspray und schützende Kleidung.

Zika-Infektion verläuft meist harmlos

Sportler, Funktionäre und Olympia-Touristen müssen sich nach dem heutigen Wissen keine Sorgen machen. Der Gesundheitsnotstand wurde von der WHO ausgerufen wegen des möglichen Zusammenhanges zwischen einer Zika-Infektion und Mikrozephalie bei Neugeborenen. Mögliche Gefahren beziehen sich also auf Schwangere und deren Nachwuchs.

Baby einer Mutter mit dem Zika-Virus | Bildquelle: AP
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Baby von einer Mutter mit dem Zika-Virus

Für alle anderen verläuft eine Zika-Infektion weitgehend harmlos, mit leichtem Fieber und Kopfschmerzen: Manche fühlen sich nur schlapp, andere bekommen von der Infektion gar nichts mit. Joao Grangeiro, der oberste Mediziner beim Organisationskomitee, ist sichtlich um Entspannung bemüht. Er hofft, dass die Regierung ihren Krieg gegen die kleine Tigermücke erfolgreich führt.

Für ihn sind das wichtigste Präventivmaßnahmen, und die würden vom Olympischen Komitee und den Gesundheitsbehörden bereits durchgeführt. "Wir suchen nach den Brutplätzen und vernichten die Brutstätten, das machen wir permanent und in allen erdenklichen Bereichen, wo die Mücke ihre Larven legen könnte."

Woher stammt das Zika-Virus?

Das Zika-Virus ist 1947 erstmals bei einem Affen aus dem Zikawald Ugandas in Afrika festgestellt worden. Es tauchte anschließend vereinzelt in Asien auf und wurde nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen. Reisende, die binnen drei Wochen nach der Rückkehr aus einem von Zika betroffenen Land Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen oder Hautrötungen feststellen, sollten laut RKI einen Arzt aufsuchen. Ein Bluttest kann dann definitiven Aufschluss geben.

Entspannt zeigt sich Rios Bürgermeister Eduardo Paes. Auch er geht davon aus, dass Zika im August während der Wettkämpfe kein Thema mehr sein wird. Aber selbst wenn doch: Er lehnt eine Absage der Spiele kategorisch ab. Im Gespräch mit dem ARD-Hörfunk setzt er auf Offenheit und Transparenz. "Zika ist ein Problem. "Natürlich werden wir aufmerksam bleiben und die Leute informieren. Es wird transparent ablaufen. Wir strengen uns an, dass das Virus Olympia auf keinen Fall beeinträchtigt."

Ist das Zika-Virus eine Gefahr für Olympia in Rio ?
J. Segador, ARD Buenos Aires
05.02.2016 11:50 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 05. Februar 2016 um 12:45 Uhr im Deutschlandfunk.

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