Baukonzern in Brasilien Milliardenstrafe für Millionenschmiergelder

Stand: 18.04.2017 12:44 Uhr

Rund 780 Millionen Dollar Schmiergeld sind an Parteien und Regierungsvertreter geflossen - das hat der brasilianische Baukonzern Odebrecht eingeräumt. Deshalb muss das Unternehmen nun eine Milliardenstrafe wegen Korruption zahlen.

Der brasilianische Großkonzern Odebrecht ist wegen eines Schmiergeldskandals von einem Gericht in New York zu einer hohen Strafe verurteilt worden. Insgesamt muss das Unternehmen wegen Bestechung von Regierungsfunktionären rund 2,6 Milliarden Dollar - umgerechnet rund 2,4 Milliarden Euro - zahlen.

Die Strafe war im Rahmen eines Vergleichs mit den Justizbehörden mehrerer Länder festgelegt worden. Sie sieht vor, dass der Großteil mit 2,4 Milliarden Dollar nach Brasilien geht. 116 Millionen Dollar fließen an die Schweizer und 93 Millionen an die US-Behörden. Odebrecht und seine Petrochemie-Tochter Braskem hatten bereits im Dezember ein Schuldbekenntnis in dem international koordinierten Verfahren abgegeben. Zunächst war eine höhere Strafe angesetzt worden, Odebrecht hatte sich jedoch mit dem Argument gewehrt, nicht mehr als den nun beschlossenen Betrag stemmen zu können. Nach Angaben des US-Justizministeriums handelt es sich um die größte Strafsumme, die jemals in einem internationalen Korruptionsprozess in einem Vergleich vereinbart worden ist.

Ermittlungen gegen Minister

Odebrecht steht im Zentrum eines weitverzweigten Korruptionsskandals, der derzeit ganz Lateinamerika erschüttert. Die Ermittlungen gegen den brasilianischen Bauriesen begannen 2014 und förderten nach und nach ein ausgeklügeltes System zur Zahlung von Schmiergeldern an Politiker, Parteien, Staatsbeamte und Manager zutage. Der Konzern soll Beamte in zwölf Ländern mit insgesamt rund 780 Millionen Dollar geschmiert haben, um Regierungsaufträge zu erhalten. Zum Teil sollen die Mittel über US-Banken geflossen sein.

Das Oberste Gericht Brasiliens machte vergangene Woche den Weg für Korruptionsermittlungen gegen zahlreiche Minister und Dutzende Parlamentsabgeordnete frei. Zu den Politikern gehören der Kabinettschef von Präsident Michel Temer sowie der Außen-, Handels- und Landwirtschaftsminister. Auch führende Oppositionspolitiker sind betroffen, darunter die Ex-Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva und Dilma Rousseff. Die Ermittlungen gründen sich auf Aussagen von Odebrecht-Mitarbeitern.

Illegale Gelder beim Bau der WM-Stadien

Medienberichten zufolge wird den Politikern vorgeworfen, gegen den Erhalt von Schmiergeldern geholfen zu haben, an Aufträge des staatlichen Ölkonzerns Petrobras zu kommen. Den Ermittlern sollen Beweise vorliegen, dass beim Bau der Sportstadien für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien ebenfalls illegal Gelder geflossen seien. Odebrecht hat mindestens vier der zwölf WM-Stadien gebaut. Zahlreiche Politiker haben die Anschuldigungen zurückgewiesen und die Aussagen der Odebrecht-Mitarbeiter als unglaubwürdig bezeichnet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. April 2017 um 13:00 Uhr.

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