Ein Soldat beim Einsatz in einer Favela in Rio de Janeiro | Bildquelle: AFP

Kampf gegen Kriminalität Großeinsatz in den Favelas in Rio

Stand: 05.08.2017 17:57 Uhr

Gewalt und Kriminalität sind ein großes Problem in den Armenvierteln Rio de Janeiros. Zuletzt mussten Behörden einräumen, dass die Lage im Großteil der Stadt außer Kontrolle geraten sei. Nun starteten Tausende Soldaten einen Großeinsatz in den Favelas.

Am Jahrestag der Eröffnung der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro vor einem Jahr hat das brasilianische Militär im Kampf gegen die ausufernde Kriminalität eine Großoperation in den Favelas der Stadt gestartet. Schwer bewaffnete Einheiten in Panzerwagen waren zu sehen, nach unterschiedlichen Medienangaben beteiligten sich zwischen 3500 und 5000 Sicherheitskräfte an Einsätzen in sechs Armenvierteln im Norden und Westen von Rio de Janeiro.

Mindestens zwei Menschen wurden bei dem Einsatz getötet, wie ein Sprecher der Sicherheitsbehörde des brasilianischen Bundesstaats Rio de Janeiro mitteilte. In den beiden betroffenen Armenvierteln zusammen lebt fast ein Viertel der Gesamtbevölkerung von Rio unter äußerst prekären Bedingungen. Im Rahmen der Operation Onerat gehe es um die Vollstreckung von rund 40 Haftbefehlen wegen Raub und Drogenhandel.

Einsatz von Temer angeordnet

In Rio wurden in den vergangenen Wochen verstärkt Gewalttaten und Lastwagen-Diebstähle verzeichnet. Brasiliens Präsident Michel Temer erließ vergangene Woche ein Dekret, das dem Bundesstaat den Einsatz der Armee im Kampf gegen das organisierte Verbrechen erlaubt. Daraufhin gingen 10.000 Sicherheitskräfte, darunter 8500 Soldaten, in Rio in Stellung. Der aktuelle Einsatz war Teil dieser Mobilisierung.

Die Verstärkung wird mindestens bis Ende des Jahres eingesetzt. Banden wie das Comando Vermelho, das "rote Kommando", hatten vielerorts die Macht erobert. Zuletzt teilte die Regierung mit, dass auch Waffen der kolumbianischen FARC-Guerilla in Rio aufgetaucht seien.

Olympia 2016

Wegen der zunehmend unsicheren Lage sind die Tourismuszahlen in Rio eingebrochen, die Auslastung der Hotels lag zuletzt laut der Tourismusbehörde bei unter 50 Prozent.

Am 5. August 2016 waren die Olympischen Spiele eröffnet worden, schon damals wurde Rio von einer Finanzkrise erschüttert. Sparzwänge führten zu Einsparungen bei der Polizei und auch bei Sozialmaßnahmen zur Befriedung der Favelas. Dennoch waren im vergangenen Jahr 85.000 Soldaten eingesetzt worden, um die Sicherheit des Großereignisses zu verstärken.

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Die Olympia-Schwimmhalle in Rio de Janeiro: Vor einem Jahr glänzte hier noch US-Schwimmstar Michael Phelps. | Bildquelle: dpa

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. August 2017 um 17:45 Uhr.

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