Demonstranten werfen in Sao Paulo (Brasilien) während eines Protestes Steine auf Polizisten.  | Bildquelle: dpa

Generalstreik in Brasilien Tränengas unterm Zuckerhut

Stand: 29.04.2017 03:35 Uhr

Ein Generalstreik im öffentlichen Nahverkehr hat weite Teile Brasiliens lahmgelegt, darunter auch die Metropolen Sao Paulo und Rio de Janeiro. In beiden Städten kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei.

Der erste Generalstreik seit 21 Jahren in Brasilien hat das Land weitgehend lahmgelegt. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich 40 Millionen Menschen an dem Ausstand gegen die Sparpläne der Regierung unter Präsident Michel Temer. In zahlreichen Städten fanden Proteste statt. Es kam zu Randale, Barrikaden brannten. Dutzende Menschen wurden den Behörden zufolge festgenommen.

In der Wirtschaftsmetropole São Paulo und in Rio de Janeiro setzte die Polizei Tränengas und Gummigeschosse gegen die Demonstranten ein. In vielen Städten Brasiliens blieben Schulen und Banken geschlossen, der öffentliche Nahverkehr kam zum Stillstand. In der Hauptstadt Brasília sperrte die Polizei den Zugang zu den Regierungsgebäuden ab.

Regierung will Staatsausgaben einfrieren

Alle großen Gewerkschaften hatten zu dem Streik aufgerufen. Der Protest richtet sich gegen eine Arbeitsmarktreform der Regierung von Präsident Michel Temer, die eine Ausweitung von Arbeitszeiten, eine Beschneidung der Mitsprache von Gewerkschaften und die Zahlung von Kosten bei Arbeitsprozessen durch die Angestellten vorsieht. Außerdem hat Temer angekündigt, die Staatsausgaben für die kommenden 20 Jahre einzufrieren.

Brasilien war in den vergangenen Jahren in eine tiefe Rezession gestürzt. Temer will mit der Deckelung der Staatsausgaben den Haushalt sanieren, doch werfen seine Gegner ihm vor, damit die ohnehin prekäre Finanzlage des öffentlichen Sektors dramatisch zu verschlechtern. Der Mitte-Rechts-Politiker hatte im Mai die Nachfolge von Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff angetreten, nachdem die Staatschefin wegen geschönter Haushaltszahlen zunächst für 180 Tage vom Amt suspendiert wurde. Im August wurde sie dann endgültig abgesetzt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. April 2017 um 04:29 Uhr.

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