Satellitenbild der Haftanstalt Monte Cristo | Bildquelle: dpa

Kampf in Haftanstalt 18 Häftlinge in Brasilien getötet

Stand: 17.10.2016 09:40 Uhr

Wieder hat es in einem brasilianischem Gefängnis schwere Ausschreitungen gegeben: Mindestens 18 Häftlinge wurden bei einem Kampf rivalisierender Banden getötet, rund 100 Angehörige von Insassen wurden vorübergehend als Geiseln genommen.

Bei schweren Kämpfen zwischen rivalisierenden Banden in einem brasilianischem Gefängnis sind Medienberichten zufolge 18 Häftlinge getötet worden. Davon seien sieben enthauptet und sechs verbrannt worden, berichteten die Nachrichtenportale "O Globo" und "G1" unter Berufung auf einen Polizeisprecher. Zudem seien 100 Angehörige von Gefangenen in der Anstalt Monte Cristo zwischenzeitlich als Geiseln genommen worden. Die Geiseln, bei denen es sich den Angaben zufolge vor allem um Frauen handelte, seien von einer Spezialeinheit befreit worden.

Die Ausschreitungen in Boa Vista, der Hauptstadt des Bundesstaates Roraima nahe der Grenze zu Venezuela, hatten den Berichten zufolge während der Besuchszeiten am Nachmittag begonnen. Eine Gruppe von Häftlingen sei von einem Trakt in den anderen vorgedrungen. Sie seien mit Messern und Holzlatten bewaffnet gewesen.

Die Lage hatte sich am späten Abend schließlich beruhigt. Die genauen Hintergründe des Streits zwischen den Häftlingen sind bislang unklar. Nach Informationen des Portals "UOL" handelte es sich bei den Angreifern um Mitglieder der kriminellen Organisation "Primeiro Comando da Capital" ("Erstes Kommando der Hauptstadt"). In dem anderen Trakt seien Mitglieder der Gang "Comando Vermelho" ("Rotes Kommando") inhaftiert gewesen. Das Verbrechersyndikat "Primeiro Comando da Capital" aus São Paulo war bereits vor zwei Jahren hinter einem brutalen Gefangenenaufstand in einer Haftanstalt im Süden Brasiliens vermutet worden.

Überfüllte Gefängnisse, schlechte Haftbedingungen

Brasilien ist eines der Länder mit der höchsten Zahl von Gefängnisinsassen weltweit. Die Haftanstalten sind meist überfüllt und die Zustände schlecht. In der Vergangenheit war es deshalb schon mehrfach zu Ausschreitungen gekommen. Im September wurden nach einer Gefängnismeuterei in Jardinópolis mehr als 300 geflohene Häftlinge von der Polizei festgenommen.

Brasiliens Justizminister José Eduardo Cardozo hatte sich im vergangenen Jahr äußerst kritisch über die Lage in den Gefängnissen des Landes geäußert. In den Haftanstalten hätten oft kriminelle Organisationen das Sagen, die die Gewalt außerhalb der Gefängnismauern steuerten. "Die brasilianischen Gefängnisse sind wahre Schulen des Verbrechens", räumte Cardozo vor einem Parlamentsausschuss in Brasília ein.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Oktober 2016 um 06:30 Uhr.

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