Kurz vor Start der Fußball-WM in Brasilien Obdachlosenbewegung sagt Proteste ab
Stand: 11.06.2014 09:23 Uhr
Kurz vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien hat sich die Bewegung Obdachloser Arbeiter (MTST) mit den Behörden darauf geeinigt, während des Turniers auf Proteste zu verzichten. Die Bewegung, die in den vergangenen Monaten eine Schlüsselrolle bei den Protesten gegen das Sportereignis spielte, erklärte, sie habe im Gegenzug wichtige Zusagen erhalten. So dürfen die Aktivisten nach eigenen Angaben Häuser auf dem Gelände errichten, das sie im Mai nahe dem Stadion in São Paulo besetzt hatten, in dem am Donnerstag das Eröffnungsspiel stattfinden soll.
Wichtige Zusagen
"Die Bewegung ist nicht gegen das Turnier. Wir haben nicht die geringste Absicht, uns einzumischen. Wir werden weder gegen, noch während des Turniers protestieren", sagte die Sprecherin Jussara Basso der Nachrichtenagentur AFP. Die Behörden teilten zudem mit, die Mitglieder der Bewegung würden bevorzugten Zugang zu einem staatlichen Wohnungsprogramm erhalten. Tausende Familien der Obdachlosenbewegung haben wenige Kilometer vom Stadion Arena Corinthians entfernt eine Zeltstadt errichtet.
Kritik an hohen Ausgaben
Ähnlich wie andere soziale Gruppen kritisiert die Obdachlosen-Bewegung die öffentlichen Ausgaben in Milliardenhöhe für das Sportereignis, die ihrer Ansicht nach besser für Wohnungen, Bildung, Gesundheit oder Nahverkehr hätten ausgegeben werden sollen. MTST ist der städtische Ableger der Bewegung landloser Bauern und nutzt wie andere Gruppen die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit anlässlich der Weltmeisterschaft, um sich bei der Regierung Gehör zu verschaffen.
Rousseff: "Haben das für die Brasilianer getan"
Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff verteidigte die Kosten des Großereignisses. Von den Investitionen in Stadien, Flughäfen und andere Einrichtungen profitiere das Land langfristig, sagte sie in einer Fernsehansprache. "Wir haben das vor allem für die Brasilianer getan."
Die WM in Brasilien, die am Donnerstag mit einer Begegnung zwischen dem Gastgeber und Kroatien eröffnet wird, ist die teuerste in der Geschichte des Wettkampfes. Das Schwellenland lässt sich das Ereignis umgerechnet mehr als acht Milliarden Euro kosten. Viele Bürger sind der Ansicht, dass die Regierung das Geld lieber für Gesundheit und Bildung hätte ausgeben sollen. Rousseff sagte, es handele sich nur um ein scheinbares Dilemma. Die beiden Bereiche gehörten zu jenen Posten, für die die öffentlichen Ausgaben in ihrer Amtszeit am stärksten gestiegen seien. Die Politikerin stellt sich im Oktober zur Wiederwahl.
Zugleich versprach sie, mutmaßliche Korruptionsfälle aufklären zu lassen. Wenn Unregelmäßigkeiten nachgewiesen seien, würden die Verantwortlichen bestraft.
