Mönch in den Ruinen von Tabgha | Bildquelle: dpa

Nach Brandanschlag auf Kloster in Israel Mönche in Not

Stand: 07.07.2015 16:58 Uhr

Mehr als zwei Wochen nach dem Brandanschlag auf das Benediktinerkloster Tabgha am See Genezareth in Israel ist die Tat noch nicht aufgeklärt. Die Mönche geraten immer mehr in Existenznot, denn Pilger und Touristen bleiben dem zerstörten Kloster fern.

Von Christian Wagner, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

An fünf Stellen gleichzeitig hatten die Täter Feuer gelegt im Benediktiner-Kloster von Tabgha, am Ufer des Sees Genezareth. Mitten in der Nacht brannten die Gebäude vor der Brotvermehrungskirche. Teilweise stehen nur noch die Mauern, die Einrichtung ist zerstört. Und auch zwei Wochen danach habe wohl keiner der Mönche in Tabgha die Ereignisse verarbeitet, sagt Pater Nikodemus: "Natürlich sind viele Mitbrüder seelisch verwundet. Viele haben jetzt einfach Urlaub genommen. Manchen haben wir auch gesagt: 'Schaut, dass ihr seelisch wieder in die Bahn kommt.' Das waren ganz, ganz harte Tage." Zum Glück seien alle körperlich wieder fit - auch ein 79 Jahre alter Bruder, der im Krankenhaus war.

Über die Ermittlungen der israelischen Polizei wissen die Benediktinermönche wenig, es gilt noch immer eine Nachrichtensperre. Dabei hatte auch der deutsche Botschafter in Israel, Andreas Michaelis, schon wenige Stunden nach dem Anschlag Druck gemacht. So etwas dürfe sich nicht wiederholen. Der Brandanschlag auf das Kloster müsse aufgeklärt werden, so Michaelis. Der Deutsche Verein vom Heiligen Land hatte das Gelände 1889 erworben. Das Bistum Hildesheim pflegt enge Verbindungen zu den Benediktinern in Israel.

Ultra-nationalistische Siedler als Täter?

Dabei hatte die Polizei laut Pater Nikodemus früh von einem Anschlag gesprochen und die Ermittlungen auch sehr klar in die Richtung der ultra-nationalistischen jüdischen Siedler-Bewegung gelenkt. "Also wenn ich die Polizei richtig verstehe, sieht sie diesen Anschlag in der Reihe dieser price tag-Anschläge."

Zwei Wochen nach Brandanschlag auf Kloster: Bisher keine Täter gefunden
C. Wagner, ARD Tel Aviv
07.07.2015 16:05 Uhr

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Als price tag, also Preisschild, hatten Attentäter aus der Siedler-Bewegung ihre Taten immer wieder selbst bezeichnet, als Preis für eine ihrer Ansicht nach zu lasche Haltung der israelischen Regierung gegenüber Minderheiten. Oft sind Palästinenser Ziel dieser Anschläge.

Aber auch für die Benediktiner am See Genezareth und in der Dormitio-Abtei in Jerusalem sei es längst nicht der erste Anschlag gewesen, sagt Pater Nikodemus: "Wir hatten letztes Jahr einen Brand in der Dormitio. Wir hatten letztes Jahr auch schon mal einen Akt von Vandalismus in Tabgha an den Freiluftaltären. Wir hatten vor zwei Jahren zerstörte Autos, wo die Autoreifen zerschlitzt waren und auch Schmierereien auf den Fahrzeugen. All diese Sachen sind bis heute nicht aufgeklärt. Wir hören die Worte gern, aber wir würden uns auch mal wirklich einfach sehr konkrete Resultate wünschen."

Polizei sichert Aufklärung zu

Die hatte der zuständige Polizeichef aus Tiberias zugesichert. Inzwischen schätzen die Mönche den Schaden an den Kloster-Gebäuden vor der Brotvermehrungskirche auf mehr als eine Million Euro. Terror-Schäden allerdings werde die Versicherung nicht übernehmen, sagt Nikodemus.

Viel schlimmer sei die unmittelbare Auswirkung, denn die Mönche lebten buchtsäblich von der Anlage. "Wir leben davon, dass an guten Tagen 5000 Pilger zu uns kommen und in unserem Klosterladen Dinge kaufen. Jetzt haben wir seit zwei Wochen null Einnahmen. Wir haben aber Angestellte, die wir weiter bezahlen müssen. Und wir sind kein reiches Kloster, wir leben von der Hand in den Mund. Und das ist jetzt ganz, ganz bitter."

Viel Solidarität für die Mönche

Es gab viel Solidarität von Christen aller Konfessionen, von Juden aus Israel und dem Ausland. Und es kämen Spenden, sagt Nikodemus. Aber der Benediktinermönch stellt auch fest, dass damit nicht einmal die täglichen Einbußen ausgeglichen werden können.

Jetzt diskutieren die Mönche darüber, dass sie keinen privaten Sicherheitsdienst vor dem Kloster wollen, sie könnten ihn sich auch gar nicht leisten. Sie reden nicht vom Aufgeben. Sie reden vom Bleiben am See Genezareth, im Norden Israels. Die Stimmung sei eindeutig: "Wir machen weiter. Wir wollen eben auch nicht den Extremisten irgendwie einen Sieg gönnen. Wir machen weiter, weil eben Tabgha der Ort ist, wo Jesus die 5000 gespeist hat. Wo Jesus im Herzen berührt war, über die Masse, die da kam. Diesem Auftrag wollen wir weiter treu bleiben."

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