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Annan-Nachfolger Brahimi
Ein ganzes Leben in Konflikten und Gewalt
Eine diplomatische Lösung in Syrien ist angesichts der schweren Kämpfe in weiter Ferne. Der Algerier Brahimi will als neuer UN-Gesandter totzdem eine Verhandlungslösung finden. Konflikte prägten sein Leben von Anfang an. Er scheut bei aller Diplomatie keine deutlichen Worte.
Von Hendrik Buhrs, ARD-Hörfunkstudio Nordwestafrika
Er ist ein Diplomatie-Veteran. Lakhdar Brahimi war schon mal offiziell in den Ruhestand verabschiedet worden. Das war Anfang 2006, als er immerhin schon 72 Jahre alt war. Seitdem war er aber unter anderem in seinem Heimatland Algerien unterwegs, um dort den Selbstmordanschlag auf das UNO-Gebäude in Algier 2007 aufzuklären und saß einer internationalen Friedens-Task-Force für Afghanistan vor.
"Ich habe mein ganzes Leben in Konflikten gelebt", sagt Brahimi. "Als jemand, der in einer Kolonie aufgewachsen ist, habe ich Gewalt erlebt und über sie gelesen. Als wir angefangen haben, für unsere Freiheit zu kämpfen, haben wir dann auch anderen viel Gewalt angetan."
Diplomat mit Kanten
Brahimi ist ein abwägender Mann, der durchaus seine Kanten hat. Als er Israels Politik den Palästinensern gegenüber vor ein paar Jahren als "enormes Gift für die Region" bezeichnete, zuckten wohl nicht nur in Washington und im UNO-Hauptquartier in New York die Diplomatenkollegen zusammen. Und in dem nach ihm benannten "Brahimi-Bericht" über Friedensmissionen der UNO rechnete er teils recht deutlich mit den Einsätzen ab.
2006 kritisierte er im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" die Art und Weise, wie die internationale Gemeinschaft Wahlen organisiere, zum Beispiel in Afghanistan. Das sei nicht effektiv und zu teuer. Ein neuer Weg müsse eingeschlagen werden.
Krisendiplomat Brahimi wird neuer Syrien-Vermittler
H. Burhs, ARD Rabat
18.08.2012 10:11 Uhr
Botschafter, Außenminister, UN-Gesandter
In seiner Laufbahn war Brahimi schon Botschafter in verschiedenen Ländern, Außenminister Algeriens, seit den neunziger Jahren dann für die UNO in Südafrika, Haiti und Afghanistan unterwegs. Eine Karriere mit heiklen Themen, aber auch kuriosen Momenten - vor Ehrengästen der Universität Oxford plauderte Brahimi neulich aus dem Diplomaten-Nähkästchen.
1998 sei er nach einer erfolgreichen Verhandlung mit dem Talibanchef Muhammed Omar sehr stolz auf sich gewesen. Erst Jahre später habe ihm der Dolmetscher der Taliban gestanden, dass er beim Übersetzen etwas nachgeholfen habe. "Er sagte: Ich hab' das, was Sie gesagt haben, gar nicht korrekt übersetzt. Ihre ursprüngliche Rede wäre imstande gewesen, Muhammed Omar ziemlich wütend zu machen, er hätte den Raum verlassen, also hab ich's ein bisschen arrangiert." Das Publikum in Oxford lachte herzlich über die Anekdote. Manchmal hilft eben auch etwas Glück. Brahimi dürfte in Syrien welches brauchen.
Stand: 17.08.2012 16:24 Uhr
