Die Bomben explodierten kurz vor dem Zieleinlauf. | Bildquelle: AP

Festnahmen nach Anschlag auf Boston-Marathon Haben Verdächtige Beweise vernichtet?

Stand: 01.05.2013 20:13 Uhr

Die drei Männer, die US-Ermittler im Zusammenhang mit den Anschlägen auf den Boston-Marathon festgenommen haben, hatten offenbar nichts mit der Planung des Attentats zu tun. Sie sollen aber Beweismittel vernichtet und den Hauptverdächtigen gedeckt haben.

Von Silke Hasselmann, MDR-Hörfunkstudio Washington

Viel hat die Bostoner Polizei bislang nicht erklärt, wohl aber, dass "keine Gefahr für die Öffentlichkeit" bestehe. Die drei festgenommenen Männer waren Mitbewohner des jüngeren der Brüder Zarnajew, die als dringend tatverdächtig gelten. Zwei der Studenten seien Kasachen, ein dritter habe die US-Staatsbürgerschaft, melden diverse US-Medien mit Verweis auf Regierungsquellen.

Beweise vernichtet

Anschlag Boston-Marathon | Bildquelle: AP
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Eine halbe Million Menschen säumte die Laufstrecke, als die Bomben explodierten.

Die jungen Männer werden beschuldigt, die Polizei in den ersten Vernehmungen vor über zehn Tagen belogen zu haben. So sollen sie die den Ermittlern die Unwahrheit über den Verbleib ihres Mitbewohners nach dem Attentat gesagt haben. Außerdem hätten sie einen Rucksack aus dem Studentenzimmer in New Bedford (Massachusetts) entfernt und in den Müll geworfen, nachdem sie erfahren hatten, dass ihr 19-jähriger Mitbewohner in das Attentat verwickelt sein könnte.

Auch das sei ein ernsthaftes Problem, erklärt Alan Dershowitz, einer der bekanntesten US-Strafverteidiger: "Viele Leute begreifen nicht, dass jede Lüge gegenüber Bundesbeamten eine Straftat sein kann - ob es sich um eine kleine Notlüge handelt oder ob man sich entlasten wollte, indem man sagte: Ich weiß nichts. Es ist ebenfalls eine ernsthafte Straftat, wenn man hilft, Beweisstücke zu vernichten oder zu verstecken, und wenn man das gemeinsam mit der verdächtigen Person tut, ist das ein Komplott zur Behinderung der Justiz."     

Nicht an Planung beteiligt

Wie immer in solchen Fällen überschlagen sich nun die amerikanischen Nachrichtenkanäle mit einer Non-Stop-Berichterstattung, bei der sich die verbreiteten Informationen beständig ändern und korrigiert werden. Sicher ist bislang nur, dass die beiden kasachischen Studenten am Mittwochmorgen vor einem Immigrations-Richter auftreten mussten, weil es Probleme mit ihren Studenten-Visa gab.

Polizisten bewachen das Gerichtsgebäude in Boston, wo die Festgenommenen verhört werden. | Bildquelle: AFP
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Polizisten bewachen das Gerichtsgebäude in Boston, wo die Festgenommenen verhört werden.

Klar ist auch, so Dershowitz im TV-Sender CNN, dass sie nicht an der Vorbereitung des Attentats beteiligt waren. "Sie wurden nicht beschuldigt, irgendetwas mit der Herstellung oder dem Ablegen der Bomben zu tun gehabt zu haben", so der Jurist. "In ihrem Fall hat alles damit zu tun, wie sie sich nach dem Bombenattentat verhalten haben."

Hauptverdächtiger im Krankenhaus

Bei dem Anschlag waren am 15. April am Zieleinlauf des Boston-Marathon drei Menschen getötet und mehr als 250 weitere teils schwer verletzt worden. 20 von ihnen müssen noch immer im Krankenhaus behandelt werden. Einer der mutmaßlichen Täter, Tamelan Zarnajew, war kurz darauf während einer Verfolgungsjagd durch das FBI umgekommen.

Der jüngere der aus Tschetschenien stammenden und laut Präsident Barack Obama "selbst-radikalisierten" Brüder hatte sich schwer verletzt ergeben und liegt noch im Krankenhaus - unfähig zu sprechen, aber willens, sich schriftlich zu verständigen.

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