Anschlag in Boston: Obama spricht von Terrorakt

US-Präsident Barack Obama bezeichnet den Bombenanschlag von Boston als Terrorakt. (Bildquelle: AFP)

Anschlag auf Boston-Marathon

Obama spricht von "Akt des Terrors"

US-Präsident Barack Obama hat den Anschlag auf den Boston-Marathon in einer öffentlichen Rede als "Terrorakt" bezeichnet, der nun von der Bundespolizei FBI untersucht werde. Es werde etwas dauern, bis klar sei, auf wessen Konto das Verbrechen gehe, sagte Obama im Weißen Haus. "Aber wir werden es herausfinden." Es handle sich um "eine abscheuliche und feige Tat", die unschuldige Menschen habe treffen sollen. Er rief die Bürger auf, Verdächtiges zu melden.

Zuvor hatten die Behörden auf einer Pressekonferenz eine erste Opferbilanz gezogen: Drei Menschen wurden bei den Explosionen getötet und 176 verletzt. Der Zustand von 17 Patienten sei kritisch, sagte ein Polizeisprecher. Bei einem der Todesopfer handelt es sich um einen achtjährigen Jungen, der seinem Vater beim Zieleinlauf zusehen wollte. Auch eine 29-Jährige erlag ihren Verletzungen. Das dritte Todesopfer wurde bisher nicht identifiziert.

FBI dementiert weitere Bombenfunde
M. Ganslmeier, NDR Washington
16.04.2013 17:03 Uhr

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Zwei Bomben aus Kochtöpfen

Aus Kreisen der Ermittler wurde bekannt, dass die Sprengsätze in Dampfkochtöpfen steckten, die wiederum in Rucksäcken verstaut gewesen seien. Demnach wurden die Explosionen wahrscheinlich durch Zeitzünder ausgelöst. Die selbst gebastelten Bomben enthielten offenbar Metallsplitter, Nägel und Kugellager. Solche sogenannten Kassettenbomben wurden in der Vergangenheit mehrfach bei Anschlägen eingesetzt.

Entgegen der bisherigen Annahme wurden bei dem Anschlag über die beiden explodierten Bomben hinaus keine weiteren gelegt, wie der Gouverneur von Massachusetts mitteilte. Zunächst hatte es geheißen, dass möglicherweise zwei oder drei weitere Sprengsätze entdeckt worden seien, die glücklicherweise nicht funktioniert hätten.

Ein "Berg von Hinweisen"

Die Ermittlungsbehörden gehen nach eigenen Angaben "einem Berg von Hinweisen" nach. Ein Vetreter der Bundespolizei FBI sprach auf einer Pressekonferenz von "sehr aktiven" Ermittlungen und betonte, dass es keine weiteren Bedrohungen gebe. Ermittlungsdetails wollte er nicht nennen.

Die wenig ausgeklügelte Bauart der beiden Bomben, die Art der Verletzungen der Opfer sowie die zahlreichen Videoaufnahmen vom Tatort geben den Ermittlern zahlreiche Anhaltspunkte. Fest steht, dass die Bomben mit Nägeln und Reißverschluss-Teilen gespickt waren. Solche Sprengkörper wurden zum Beispiel von Terrorgruppen im Irak eingesetzt. In den amerikanischen Medien äußerten jedoch Sicherheitsexperten die Einschätzung, dass die eher einfache Bauart der Bombe eher für einen extremistischen Täter aus dem Inland spricht. Nagel-Bomben wurden auch beim Olympia-Anschlag 1996 in Atlanta eingesetzt.

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Anschlag beim Boston Marathon, 15.04.2013

Anschlag Boston-Marathon

Der weltberühmte Boston-Marathon war für die Bewohner der Stadt und die Sportler bislang ein Freudenfest. Zum 117. Mal wurde er in diesem Jahr ausgerichtet, ungefähr 23.000 Sportler nahmen teil. Um 14.45 Uhr Ortszeit geschah das Unfassbare: Im Zielbereich explodierte eine Bombe. (Bildquelle: AP)

Saudischer Verdächtiger offenbar unschuldig

Die ganze Nacht über durchsuchten Ermittler des FBI die Wohnung eines jungen saudischen Staatsbürgers in einem Vorort von Boston. Der mit einem Studenten-Visum eingereiste Mann befand sich in unmittelbarer Nähe des Tatortes und liegt selbst mit Verletzungen im Krankenhaus. Das FBI betonte jedoch, der Mann habe sich sehr kooperativ verhalten und werde nicht mehr als verdächtig eingestuft.

Die beiden Bomben waren fast zeitgleich im Abstand von etwa hundert Metern in der Nähe der Ziellinie explodiert - rund zwei Stunden nachdem der Sieger des Marathons mit insgesamt 23.000 Teilnehmern und 500.000 Zuschauern diese passiert hatte. Der Zeitpunkt war möglicherweise gewählt worden, um eine möglichst hohe Opferzahl zu erzielen, denn es kamen gerade besonders viele Hobbyläufer ins Ziel.

Pentagon schickt Nationalgardisten

Auch Verteidigungsminister Chuck Hagel verurteilte den "grausamen Akt des Terrors". Er versprach eine genaue Untersuchung, die feststellen soll, ob es sich bei den Tätern um US-Bürger oder Ausländer handelt. Das Ministerium schickte mehr als 1000 Nationalgardisten nach Boston. Medienberichten zufolge sollen sie unter anderem bei der Sicherung des Tatorts helfen.

Die Bostoner Feuerwehr setzte für Hinweise, die zu den Drahtziehern führen, eine Belohnung von 50.000 Dollar aus. Sie richtete außerdem einen Fonds für die Opfer der Bombenexplosionen ein.

Täter und Motiv des "Terrorakts" in Boston weiterhin unklar
nachtmagazin 00:10 Uhr, 17.04.2013, Marion Schmickler, ARD Washington

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Der Boston-Marathon

Der Marathon in Boston ist der älteste jährliche Marathon der Welt und wird seit dem Jahr 1897 veranstaltet. An dem Lauf nehmen rund 20.000 Menschen teil, Hunderttausende Zuschauer verfolgen ihn jedes Mal. Diesmal war die letzte Meile den Opfern des Amoklaufs von Newtown gewidmet.

Stand: 16.04.2013 22:05 Uhr

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