Helfer bergen einen Leichensack aus dem Wasser. | Bildquelle: AP

Flüchtlingsschiffe kentern vor libyscher Küste 200 Flüchtlinge ertrunken

Stand: 28.08.2015 14:26 Uhr

Bei der neuen Flüchtlingstragödie im Mittelmeer sind nach Angaben der libyschen Küstenwache mindestens 200 Menschen ums Leben gekommen. Rettungskräfte konnten aber genauso viele Menschen aus Seenot retten.

Von Markus Epping, ARD-Hörfunkstudio Rom

Die Seenotretter auf dem Mittelmeer sind im Dauereinsatz. Bootsunglück reiht sich an Bootsunglück. Das private Rettungsschiff "Seawatch" hat allein am Donnerstag Hunderte Flüchtlinge gerettet.

Kapitän Ingo Werth macht keinen Hehl daraus, dass er sich mehr Unterstützung durch EU-Schiffe wünscht: "Ich stelle einfach mal ganz nüchtern fest, dass in der Zeit von 9 bis 17:30 Uhr nicht ein einziges Schiff der EU dort zugegen gewesen ist, trotz eines dramatischen Einsatzes. Wir haben eine Besatzung von acht Leuten an Bord und wir haben es mit ungefähr 550 Menschen zu tun gehabt."

Mindestens 200 Tote bei Flüchtlingsdrama im Mittelmeer
tagesschau 20:00 Uhr, 28.08.2015, Helge Roefer, ARD Rom

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Rettungsaktion mit kleinen Schlauchbooten

Spät am Donnerstagabend kam die Nachricht über das jüngste Unglück, kurz vor der libyschen Küste. Die Informationen sind nach wie vor lückenhaft. Sicher scheint, dass zwei Flüchtlingsboote gekentert sind. Auf einem waren etwa 50 Menschen, auf dem anderen etwa 400.

Libyens Küstenwache hat eine Rettungsaktion gestartet und nach eigenen Angaben 200 Menschen vor dem Ertrinken gerettet. Dabei ist die libysche Küstenwache nur sehr mangelhaft ausgestattet, sie hat fast nur kleine Schlauchboote zur Verfügung. Nach Angaben von libyischen Behörden sind bei dem Unglück mindestens 200 Menschen ums Leben gekommen. Es gibt Aussagen, dass viele von ihnen erstickt sind im Laderaum des Schiffs, bevor es kenterte.

Die italienische Küstenwache war nicht im Einsatz, weil das Unglück offenbar noch in libyschen Hoheitsgewässern passierte. "Seawatch"-Kapitän Werth beschreibt, wie ein Rettungseinsatz abläuft: "Wir entdecken diese Boote, die irgendwo auf dem Meer treiben. In vielen Fällen sind die Boote am sinken. Dann sichern wir die Menschen erstmal mit Rettungswesten und bringen anschließend Rettungsinseln aus. Dann erst können wir sie versorgen, etwa mit Trinkwasser."

Suwara - ein Zentrum der Schlepper

Die zwei Boote, die vor Libyen gekentert sind, waren von der Küstenstadt Suwara aus in See gestochen, westlich von Tripolis. Suwara gilt als Hochburg von Schleppern, es ist der Ort, von dem in Libyen die meisten Flüchtlinge sich auf den Weg machen übers Mittelmeer.

500 Gerettete nach Palermo

In Sizilien, im Hafen von Palermo sind währenddessen etwa 500 gerettete Menschen angekommen. Das schwedisch Schiff Poseidon brachte sie an Land, es gehört zur EU-Grenzmission Frontex. Palermos Bürgermeister Leoluca Orlando war zum Hafen gekommen, als das Schiff mit den Flüchtlingen einlief. "Es ist traurig, wenn man bedenkt, wie gut sie hier empfangen werden und was sie im Unterschied dazu vorher durchgemacht haben und möglicherweise durchmachen müssen, wenn sie diesen Hafen wieder verlassen."

An Bord der Poseidon, die in Palermo ankam, waren auch 52 Leichen. Es sind die Leichen, die vorgestern auf dem Mittelmeer in einem Laderaum gefunden wurden. Die Flüchtlinge waren dort erstickt. Aus Erzählungen ist bekannt, dass die Schlepper brutal sind auf dem Meer. Wer an Deck will um Luft zu bekommen, wird gestoßen und getreten, zurück in den Laderaum, egal wie eng und stickig es dort ist.

Die UN haben neue Zahlen veröffentlicht zur Flüchtlingskatastrophe auf dem Mittelmeer. Demnach sind in diesem Jahr bis jetzt etwa 2500 Flüchtlinge auf dem Meer ums Leben gekommen. Etwa 300.000 Überlebende haben es übers Meer bis nach Italien oder in andere EU-Staaten geschafft.

Erneut Flüchtlingsunglück auf dem Mittelmeer
M. Epping
28.08.2015 12:57 Uhr

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