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Happy Birthday 007!
Seit 50 Jahren im Geheimdienst ihrer Majestät
Heute vor 50 Jahren erlebte eine der langlebigsten Leinwandikonen ihr Kinodebut: James Bond 007, der ewige Superheld im Geheimdienst ihrer Majestät. Sechs Hauptdarsteller hat die erfolgreichste Filmserie aller Zeiten verschlissen. Und fünf Jahrzehnte lang alle Modetrends mitgemacht.
Von Sebastian Hesse, ARD-Hörfunkstudio London
Ende der 50er-, Anfang der 60er-Jahre infizierte ein Virus weite Teile der westlichen Welt: Bondmania - die Identifikation mit einer Kunstfigur, der Männer nacheifern wollten, und die Frauen begehren konnten. Ian Flemings Erfolgsgeheimnis lautet: Im Zeitalter des Anti-Helden hat er einen romantischen Helden geschaffen, so die Sicht einer Doku von 1966. "Er ist weder hilflos, noch neurotisch. Und er transportiert uns in eine Welt, in der Alles möglich scheint."
Als der ehemalige Geheimdienstler und Lebemann Fleming die Figur des James Bond konzipierte für eine Serie von hard boiled Spionagethrillern, wurde er auf der Suche nach einem passenden Namen bei einem Ornithologen fündig. Er habe einen unauffälligen Durchschnittsnamen gesucht, so Fleming in einer Wochenschau aus den 50ern, und sei auf den Autoren des Handbuches "Birds of the West Indies" gestoßen.
Happy Birthday, 007: James Bond wird 50
S. Hesse, ARD London
04.10.2012 23:57 Uhr
James Bond - hart, schnörkelfrei und maskulin
Vermutlich war sich Fleming gar nicht bewusst, dass dies sein erster Geniestreich war: James Bond, das klingt nicht nur britisch, sondern hart, schnörkelfrei, maskulin. Ein Markenname, der sitzt wie ein Maßanzug. Und so hat Fleming in seinem jamaikanischen Landhaus "Goldeneye" gesessen und auf einer goldenen Schreibmaschine einen staatlichen Profikiller des Kalten Krieges konzipiert, dessen nimmersatter Appetit auf Konsum, - von Edelprodukten bis hin zu Frauen -, eine Kompensation dafür war, das die Lebenserwartung in seinem Metier eher gering ausfällt.
In den Sechzigern, als Bond den Sprung auf die Leinwand geschafft hatte, entstand endgültig die Bond-Formel: Ein Cocktail, geschüttelt, nicht gerührt, aus immer gleichen Zutaten, der den Nerv der Zeit traf: Vor der Kulisse des Kalten Krieges, wo jeder Tag der letzte sein konnte, träumte man sich ein eine Welt des rauschhaften Konsums und der phantastischen Abenteuer.
Filme wurden humorvoller, alberner
"James Bond lebt den ultimativen Tagtraum", befand schon die zeitgenössische Wochenschau. Modisch gingen die Filme dann mit der Zeit, sie wurden humorvoller, bisweilen alberner. Doch die Kulisse bröckelte ihnen allmählich weg: Ohne Bedrohung aus Moskau hätte der reaktionäre Kommunistenfresser Bond eigentlich pensionsreif sein müssen. So sah’s irgendwann sogar M, die MI6 – Chefin, gespielt von Judy Dench.
"Sie sind ein sexistischer, menschenverachtender Dinosaurier, ein Relikt des Kalten Krieges, dessen Lausbubencharme bei mir nicht wirkt", befand die Charakterdarstellerin in "Goldeneye" aus dem Jahre 1995. Und sie ließ den Leinwandschönling Pierce Brosnan, Bond Nummer fünf, wie einen aus der Mode gekommenen Kleiderständer aussehen.
Bond Nummer sechs - Seite an Seite mit der Queen
Mittlerweile gibt’s Bond Nummer sechs, Daniel Craig. Und dem wurde eine ungeahnte Ehre zuteil: Die echte Queen, Elizabeth II., empfing ihn im Buckingham Palace, im Jahr ihres diamantenen Thronjubiläums für einen Clip bei der Olympia-Eröffnungszeremonie diesen Sommer.
Die Spiele, das Thronjubiläum, letztes Jahr die Prinzenhochzeit: All das war Balsam für die geschundene britische Seele, die nachhaltig unter imperialem Bedeutungsverlust, der lähmenden Schuldenkrise, Londoner Krawallen und vielem mehr leidet. Die Renaissance der Monarchie ist da ein probater Tagtraum und ebenso der letzte, verbliebene Brite, der noch die Welt retten darf.
Nicht mehr ganz zeitgemäß - aber mit wahrem Überlebensinstinkt
Bond und die Queen: Als sie gemeinsam mit dem Fallschirm ins Olympiastadion sprangen, schien das gar sooo an den Haaren herbeigezogen, schließlich waren beide irgendwie schon immer da. Und wenn einem gerade mulmig wird, dass beide vielleicht doch nicht mehr ganz zeitgemäß sind, dann zeigen sie ihren wahren Überlebensinstinkt. Elizabeth belebt alte Rituale mit frischen Gesichtern, die Prinzenhochzeit, und Bond flüchtet sich in den Humor: Ganz ernst nehmen darf man mich nicht. Wer parodiert wird, der fängt an sich zu überleben. Wer sich aber konstant selber parodiert, der genießt den Schutz des ewigen Hofnarren.
Stand: 05.10.2012 00:23 Uhr
