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10.02.2012

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Ausland
Auslandsstudium in Prag: Manchmal frustrierend, immer intensiv
Auslandsstudium in Prag

Manchmal frustrierend, immer intensiv

Die Bologna-Reformen sollen den Wechsel der Studierenden zwischen Hochschulen erleichtern. Deutsche nutzen diese Chancen und machen in Tschechien gute Erfahrungen. Doch im Studienalltag zeigen sich viele kleine Schwierigkeiten, die kreative Lösungen erforden.

Von Christina Janssen, ARD-Hörfunkstudio Prag  

Das Semester hat gerade begonnen, und die geräumigen Hallen der Prager Karls-Universität füllen sich mit Leben. Sebastian Miksch macht zwischen zwei Vorlesungen eine Pause in der Cafeteria. Seit September studiert der 26-Jährige in Prag und ist begeistert.

Altstadt von Prag (Foto: picture-alliance / ZB) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Das Studium im Prag ist trotz mancher Alltagsprobleme für Deutsche attraktiv. ]
"Was mir hier besonders gefällt, ist der herzliche Umgang zwischen Studenten und Dozenten", erzählt er. "Ich habe sie einfach gefragt, ob sie mir helfen können, ein Thema für meine Abschlussarbeit zu finden und auch Literatur zu erschließen, weil ich mich hier mit dem Bibliothekswesen nicht so gut auskenne." Man habe ihm immer geholfen. "Das ist eine Sache, die hat man in Deutschland leider nicht allzu oft", sagt Miksch. Das sei nicht der einzige Vorteil. "Das zweite Schöne sind die angenehmen kleinen Seminargruppen mit fünf bis zehn Leuten. In Deutschland bin ich eher Seminargrößen von 80 bis 150 Mann gewohnt."

Ein exotischeres Leben

Sebastian Miksch kam von der Uni Leipzig nach Prag. Das lag für ihn nahe, denn er studiert osteuropäische Geschichte. Sein Spezialgebiet: die Habsburger-Monarchie. Doch obwohl Prag und Leipzig gerade mal drei Autostunden voneinander entfernt sind, ist das Leben an der Moldau exotischer als erwartet - angefangen bei der tschechischen Sprache.

Mluvite cesky? - Miksch schmunzelt. "Für einen Deutschen ist das eine der schwersten Sprachen, die man überhaupt lernen kann", sagt er und erzählt, dass er stapelweise Karteikarten erstellt und jeden Tag gelernt habe. "Es macht immer noch Spaß, auch wenn es manchmal frustrierend ist."

"Tut mir leid, ich bin kein Hühnchen"

Einmal wurde Sebastian Miksch auf der Straße um eine Zigarette gebeten und wollte einfach nur auf Tschechisch sagen "Tut mir leid, ich bin Nichtraucher". Aber er erwischte eine falsche Pluralform. Und was dann dabei heraus kam, war: "Tut mir leid, ich bin kein Hühnchen."

Das Niveau der Vorlesungen und Seminare lobt der Leipziger in den höchsten Tönen. Aber die Ausstattung der Hochschulen in Tschechien sei nicht vergleichbar mit dem, was er von zu Hause gewohnt sei. Nicht einmal an der berühmten Prager Karls-Universität. Aber Not mache erfinderisch. "Ich habe viele Tschechen getroffen, die auch Möglichkeiten finden, diesen Mangel auszugleichen. Ich bin in Internetgruppen, wo viele Texte eingescannt und hin- und hergeschickt werden. Die Leute lösen das Problem sehr kreativ."

Es geht nicht nur ums Lernen

Und so hat der junge Deutsche schon viel über das Nachbarland gelernt: Die Bedingungen scheinen oft chaotisch. Aber man macht eben das Beste daraus. Die Tschechen sind Meister im Improvisieren. - Genau das macht ein Auslandsstudium aus, sagt Miksch: Es geht nicht nur ums Büffeln, sondern auch um die kulturelle Erfahrung. "Diese Austauschprogramme sind auch deshalb sehr schön, weil man ein Jahr lang sehr intensiv lebt. Man macht unheimlich viel, man lernt unheimlich viele Leute kennen. Man gewinnt auch an Selbstvertrauen, wenn man merkt, dass man sich in einer fremden Umgebung schnell zurechtfindet."

Stand: 11.03.2010 16:03 Uhr
 

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