Boliviens Präsident Morales | Bildquelle: AP

Morales gewinnt Wahl in Bolivien "Ein Wahlsieg für den Antikapitalismus"

Stand: 13.10.2014 15:29 Uhr

Boliviens Staatschef Morales ist bei der Präsidentenwahl laut Hochrechnungen mit mehr als 60 Prozent der Stimmen für eine dritte Amtszeit gewählt worden. Den Wahlerfolg wertet er als Sieg Lateinamerikas über Imperialismus und Kapitalismus.

Von Gottfried Stein, ARD-Hörfunkstudio Südamerika

"Die Verstaatlichung hat erneut gegenüber der Privatisierung mit über 60 Prozent gewonnen" - mit diesen Worten umschrieb Boliviens Staatspräsident Evo Morales am Abend auf dem Balkon des Präsidentenpalastes in La Paz seinen triumphalen Wahlerfolg. Mit über 60 Prozent der Stimmen hängte er die bürgerliche und wirtschaftsorientierte Opposition ab. Seine Herausforderer, der Unternehmer Doria Medina und der liberale Expräsident Tuto Quiroga, hatten keine Chance.

Es war der mittlerweile siebte Wahlgang der "Bewegung des Sozialismus" des ersten Indigenen an der Spitze des Andenstaates - und wieder wurde es ein voller Erfolg. Morales wird für weitere fünf Jahre eine dritte Amtszeit absolvieren. Seine Partei sicherte sich bei den gleichzeitigen Parlaments- und Senatswahlen eine Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern.

Große Ankündigungen

Boliviens Präsident Morales | Bildquelle: dpa
galerie

Evo Morales ließ sich nach den Hochrechnung von Anhängern feiern.

Morales wertet das auch als einen ideologischen Sieg: "Dieser demokratische Sieg des bolivianischen Volkes wird allen Völkern in Lateinamerika und in aller Welt gewidmet, die gegen den Kapitalismus und den Imperialismus kämpfen. Dieser Sieg, Brüder und Schwester, wird Fidel Castro gewidmet, und Hugo Chavez, der in Friede ruhen möge, und allen Präsidenten und Regierungen, die antikapitalistisch und antiimperialistisch sind."

Mit seiner Zwei-Drittel-Mehrheit in beiden Kammern könnte Morales die Verfassung ändern und den bisher gesetzlich verbotenen Weg einer erneuten Kandidatur einschlagen. In seiner Ansprache erwähnte Morales seine zurückliegenden neun Regierungsjahre und verwies auf weitere neun Jahre. Außerdem warf er einen Blick in die Zukunft, der für Aufsehen sorgen dürfte: "Ich möchte dem bolivianischen Volk raten, immer an das Große zu denken und nicht an das Kleine: Wenn wir sagen, wir wollen die friedliche Nutzung der Atomenergie, wir werden mit der friedlichen Nutzung der Atomenergie beginnen, das heißt, an das Große denken."

Präsident Morales triumphiert bei Wahlen
G. Stein, ARD Buenos Aires
13.10.2014 05:42 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Populärer Neoliberalismus oder Antikapitalismus?

Trotz seines strikt antiamerikanischen und antiimperialistischen Kurses warnen Kritiker davor, den erfolgreichen Indiopräsidenten zu verteufeln. Der Politikexperte Carlos Toranzo ist der Meinung, es gebe einen großen Unterschied zu Venezuela unter Chavez. "Wenn Chavez den Sozialismus des 21. Jahrhunderts geplant hat, sind die sozialen Bewegungen zutiefst neoliberal", so Toranzo. Es gebe einen populären Neoliberalismus in der bolivianischen Bevölkerung: "Die Gewerkschafter, die Kokabauern, die Händler wollen kaufen und verkaufen. Wenn jemand glaubt, Morales wird mit seinem Erfolg in Richtung Sozialismus marschieren, der irrt sich."

Insgesamt verliefen die Wahlen ruhig und ohne Zwischenfälle. Internationale Beobachter zeigten sich hochzufrieden. Der Chef der Beobachtermission der Organisation der amerikanischen Staaten, der ehemalige Präsident Guatemalas, Alvaro Colom, erklärte: "Es ist wirklich ein sehr bolivianischer Prozess." Bolivien erlebe eine eindrucksvolle Veränderung, so Colom. "Ich bin durch die Straßen gegangen, habe mit den Bürgern gesprochen: Alle sind informiert, alle wollen wählen. Es ist ein sehr spezieller Enthusiasmus. Das ist sehr bolivianisch."

Die vorliegenden Ergebnisse basieren auf Wählerbefragungen an den Wahllokalen. Das offizielle Wahlergebnis wird erst nach Mitternacht Ortszeit verkündet.

Dieser Beitrag lief am 13. Oktober 2014 um 12:47 Uhr im Deutschlandfunk.

Darstellung: