Wahl in Bolivien Morales zum Dritten

Stand: 12.10.2014 09:58 Uhr

Bolivien, seit je her Armenhaus Südamerikas, steht so gut da wie nie. Die Wirtschaft wächst, auch die politischen Verhältnisse sind stabil. Präsident Morales regiert unangefochten seit 2006 - und nichts spricht dafür, dass sich daran heute etwas ändert.

Von Julio Segador, ARD-Studio Südamerika

Wahlkampf in Bolivien. Lautstark ziehen die Anhänger von Präsident Evo Morales durch die Straßen von La Paz. Sie skanidieren: "Se siente, Evo Presidente", übersetzt: "Wir fühlen es: Evo wird wieder Präsident". Und die Morales-Anhänger haben auch allen Grund zum Optimismus. Morales ist unangefochten. Nach allen Meinungsumfragen wird der Indio-Präsident erneut klar gewählt. Seine Popularität in Bolivien ist hoch.

Morales oder Morales? In Bolivien regiert der Indio-Präsident unangefochten. | Bildquelle: AP
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Morales oder Morales? In Bolivien regiert der Indio-Präsident unangefochten.

"Evo ist das Volk", sagt eine Frau. "Er steht den sozialen Organisationen nahe. Und er wird von allen unterstützt, weil er den Menschen im Land die Würde zurückgegeben hat. Er hat unsere Rohstoffe und Industrien verstaatlicht und verteilt den Reichtum von oben nach unten. Und die Menschen sehen, dass das Geld, das früher die Unternehmen eingesteckt haben, jetzt zu ihnen zurückfließt."

Seit 2006 regiert Morales das Andenland Bolivien als erster Indio-Präsident des Landes. Die Umfragen für die Wahl sehen ihn bei etwa 60 Prozent. Er liegt damit rund 40 Prozentpunkte vor dem nächsten Kandidaten. Kaum jemand zweifelt, dass der ehemalige Kokabauer und Gewerkschafter in seine dritte Amtszeit als bolivianischer Präsident gehen wird.

Morales selbst sieht sich bestätigt durch die große Unterstützung der Menschen im Land. "Es hieß immer, die Indios seien nur als Wähler zu gebrauchen. Wir haben hingegen bewiesen, dass wir auch regieren können. Sie sagten, dass sich unsere Regierung über die Jahre abnutzt. Aber wenn man dem Volk dient, wenn die Menschen von der Regierung profitieren, nutzt man sich nicht ab, im Gegenteil: Es stärkt einen." Und dann habe es ja auch immer geheißen: Diese linken Antikapitalisten verstünden nichts vom Regierungsgeschäft. "Diesen Mythos haben wir weggewischt."

Bolivien steht so gut da wie nie

In der Tat steht Bolivien - seit je her das Armenhaus Südamerikas - wirtschaftlich so gut da wie noch nie in der Geschichte des Landes. Es verbucht ein stabiles Wirtschaftswachstum. Morales konnte die extreme Armut deutlich verringern, die Verstaatlichung der Erdöl- und Gasindustrie spülte wertvolle Devisen in die Kasse des Landes. Die Ratingagenturen haben Bolivien zuletzt sogar hochgestuft.

Tatsachen, gegen die die politischen Gegner nur schwer argumentieren können. Ex-Präsident Jorge Quiroga, der erneut antritt, aber so gut wie chancenlos ist, versucht Morales als linken Politiker hinzustellen, der von Venezuela fremdgelenkt wird. "Die Demokratie im Land ist in Gefahr. Das Regime ist autoritär, ganz nach dem Vorbild Venezuelas. Evo Morales war immer nur ein Vasall Venezuelas. Sie haben die Medien gekauft, alle Umfragen werden vom Regime kontrolliert und herausgegeben."

Ob Morales wirklich ein autoritärer Herrscher ist, wie ihn seine Gegner gerne  darstellen, wird sich vermutlich ab 2020 zeigen. Der Verfassung nach darf Morales nach dieser Wahl nicht erneut kandidieren. Bisher hat er angekündigt, die Verfassung zu respektieren, wenngleich er sich ein Hintertürchen offen lässt. Das Volk habe die Möglichkeit, die Verfassung zu ändern, und er werde jede Entscheidung des Volkes respektieren.

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