Evo Morales hält seinen Stimmzettel in der Hand (in der Stadt Villa 14 de Septiembre) | Bildquelle: REUTERS

Referendum in Bolivien Offenbar keine vierte Amtszeit für Morales

Stand: 22.02.2016 03:48 Uhr

Es sieht schlecht aus für Boliviens Präsidenten Morales: Offenbar hat er das Referendum über eine vierte Amtszeit verloren. Prognosen zufolge sprachen sich mehr als 50 Prozent der Wähler gegen eine notwendige Verfassungsänderung aus.

Boliviens Staatspräsident Evo Morales ist ersten Prognosen zufolge mit dem Versuch gescheitert, durch eine Verfassungsänderung bis maximal zum Jahr 2025 im Amt bleiben zu können. Bei einem Referendum stimmten laut dem privaten Fernsehsender ATB 52,3 Prozent mit Nein und 47,7 Prozent mit Ja. ATB beruft sich dabei auf Nachwahlbefragungen des Meinungsforschungsinstituts Ipsos.

Rund sechs Millionen Einwohner des südamerikanischen Landes waren zu der Abstimmung aufgerufen. Sie sollten entscheiden, ob Morales im Jahr 2019 für eine vierte Amtszeit kandidieren darf.

Seit 2006 an der Macht

Morales kam 2006 als erster indigener Politiker an die Spitze des Andenstaats und wurde anschließend zwei Mal im Amt bestätigt. Für ein weiteres Mandat ist eine Verfassungsänderung erforderlich, bislang sieht die Verfassung nur zwei Amtszeiten vor. Morales' erste Wahlperiode wird nicht mitgezählt, weil die Verfassung damals in der aktuellen Form noch nicht in Kraft war.

Er regiert bereits jetzt so lange wie kein Staatspräsident zuvor, seit Bolivien 1825 unabhängig wurde. Im Schnitt wuchs die Wirtschaft während seiner Präsidentschaft um 4,9 Prozent, vor allem auch dank der Einnahmen aus dem verstaatlichten Gasgeschäft. Die Armut konnte zudem deutlich reduziert werden. Kritiker werfen Morales und seiner Partei, der Bewegung zum Sozialismus (MAS), aber autoritäre Tendenzen vor.

Ex-Freundin begünstigt?

Zuletzt machte er sich durch diverse Affären unbeliebt. Der 56-jährige Präsident soll seine Ex-Freundin, die 28-jährige Gabriela Zapata, begünstigt haben. Zapata gehört zur Führungsriege des chinesischen Unternehmens CAMC, das mit der Regierung Boliviens Verträge in einem Wert von mehr als 500 Millionen Euro abgeschlossen hatte.

Wohl knappes Nein bei Referendum in Bolivien
A. Herrberg, ARD-Hörfunkstudio Buenos Aires
22.02.2016 09:58 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 22. Februar 2016 um 08:33 Uhr bei NDR Inforadio.

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