Menschen jubeln Evo Morales zu. | Bildquelle: dpa

Referendum in Bolivien 'Si' oder 'No' zu Präsident Morales

Stand: 19.02.2016 13:19 Uhr

Am Sonntag entscheidet Bolivien über die Zukunft seines Präsidenten, Evo Morales. Wird die Verfassung geändert, dann darf Morales für eine weitere Amtszeit Präsident bleiben. Sagt das Volk mehrheitlich 'No', muss er seinen Posten nach zehn Jahren abgeben.

Von Julio Segador, ARD-Studio Buenos Aires

"Ja" und "Nein", sind die beiden Worte, die in den Städten Boliviens aktuell dominieren. "Si" oder "No" - auf diese Kurzform spitzt sich in diesen Tagen die politische Diskussion in Bolivien zu. Soll die Verfassung geändert werden können, damit Präsident Evo Morales eine weitere Amtszeit ermöglicht wird, also 'Ja', oder soll eine erneute Verfassungsänderung ausgeschlossen werden - also 'Nein'? Am Sonntag wird diese Frage bei einem Referendum entschieden.

Die Lager sind gespalten

Die Menschen in dem kleinen südamerikanischen Land sind hin und her gerissen: "Das Land entwickelt sich nach vorne. Und ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, wenn wir fünf Schritte nach vorne gemacht haben und jetzt sieben oder sogar zehn Schritte zurückgehen. Wir müssen uns für ein 'Ja' stark machen", sagt ein Bolivianer.

"Man muss die Gesetze einhalten. Es kann nicht sein, dass wir die Verfassung erneut ändern, nachdem wir so sehr darum gekämpft haben, den Rahmen der Verfassung zu bestimmen", setzt ein Nein-Sager dem entgegen.

Evo Morales ist seit zehn Jahren im Amt. Seine Wiederwahl 2014 war reine Formsache. Daher ist es verwunderlich, dass die Verfassungsänderung voraussichtlich alles andere als eine Formsache sein wird. Es ist eine ungewohnte Konstellation für den ersten indigenen Präsidenten Lateinamerikas, der sich bisher auf einen nahezu ungebrochenen Rückhalt seiner Landsleute verlassen konnte. Er erklärt: "Wenn man sich um die Bürger kümmert, auf sie zugeht, unterstützen sie einen auch. Und man verbraucht sich nicht. Wenn man das Amt dazu nutzt, um sich zu bereichern, dann geht es abwärts mit einem. Bei mir sieht man das Gegenteil."

Evo Morales | Bildquelle: AFP
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Die politische Zukunft des ersten indigenen Präsidenten Boliviens, Evo Morales, entscheidet sich am Sonntag.

Ein verlorener Sohn

Doch es könnten gerade die eigenen hohen moralischen Ansprüche sein, die Evo Morales um eine weitere Amtszeit bringen. Der 56-Jährige steckt mitten in einem Korruptionssumpf, der auch sehr private Dinge ans Tageslicht beförderte. Ein Journalist veröffentlichte vor wenigen Tagen, dass vor elf Jahren ein Sohn von Evo Morales verstorben ist. Ein Sohn, den der Präsident seinem Volk bisher verschwiegen hatte. Pikant an der - an sich privaten - Angelegenheit ist, dass die Mutter, von der Morales inzwischen getrennt lebt, Managerin einer chinesischen Firma ist, an die von der Regierung Aufträge in Höhe von mehr als 560 Millionen US-Dollar vergeben wurden. Erst nach Tagen räumte Morales die Existenz des Sohnes ein.

Ein verspätetes Geständnis, das die Oppositionspolitikerin Jimena Costa und viele andere im Land kritisieren. Sie sagt, "dass der Präsident auf tragische Weise ein Kind verloren hat und dass das eigene Land dies nur deshalb erfährt, weil es in den Medien veröffentlicht wird, ist ein Jammer." Ein Präsident, der so sehr vom Volk unterstützt wird, hätte ihrer Meinung nach sein Leid doch den Menschen mitteilen können. "Im Endergebnis heißt das: Da sind Leute an der Macht, die uns belügen, denen wir nicht vertrauen können", beklagt Costa.

Morales will bis 2025 im Amt bleiben

Was den angeblichen Korruptionsfall mit dem chinesischen Unternehmen anbelangt, keilt Evo Morales zurück. Er wähnt dahinter eine Verschwörung der USA. Es habe keine Einflussnahme zuungunsten des Staates gegeben und er habe nichts zu verbergen, ließ er verlauten, das "Imperium" sei wieder aktiv. Evo Morales selbst hat mit Blick auf die Verfassungsänderung eindringlich um ein 'Ja' geworben. Er wolle bis 2025 gerne Präsident bleiben, um dann - pünktlich zum 200. Jubiläum der Unabhängigkeit Boliviens - aus dem Amt zu scheiden. Es ist nicht sicher, ob das bolivianische Volk seinem bisher so verehrten Präsidenten diesen Gefallen erweisen wird.

"Evo Eterno", der ewige Evo Morales
J. Segador (BR, Buenos Aires)
19.02.2016 10:42 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 19. Februar 2016 um 09:47 Uhr auf InfoRadio.

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