Nigeria mit den Städten Abuja und Maiduguri und dem Tschad-See

Offenbar viele Tote bei Boko-Haram-Angriff Desaster für Nigerias Regierung

Stand: 28.07.2017 12:43 Uhr

Schwerer Rückschlag für die nigerianische Regierung im Kampf gegen Boko Haram: Bei einem Angriff der Terrorgruppe auf einen bewachten Konvoi sind offenbar 45 Menschen getötet worden - darunter sollen auch Mitarbeiter eines Teams sein, das Erdölvorkommen erkunden sollte.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Nordwestafrika

Vor zwei Tagen hatte ein Armeesprecher noch von einer "Rettungsaktion" berichtet. Heute sieht die sogenannte Rettungsaktion eher nach einem Desaster für die nigerianische Regierung aus. Am Dienstag hatten Kämpfer der Terror-Miliz Boko Haram im Nordosten Nigerias einen Konvoi angegriffen. Zunächst hieß es, zehn Mitarbeiter der Universität von Maiduguri seien als Geiseln genommen worden. Tags darauf berichtete ein Militärsprecher, man habe die Geiseln befreit. Allerdings habe es Verluste der Regierungstruppen gegeben.

Konvoi von Soldaten bewacht

Jetzt heißt es aus unterschiedlichen Quellen, mindestens 45 Menschen seien  getötet worden, als Boko Haram den bewachten Konvoi am Dienstag mit schweren Waffen angegriffen habe. Die Opfer gehörten zu einem Team von Geologen, die mögliche Erdölvorkommen in der Region erkunden sollten. Die Armee habe die Leichen von zwei Professoren und drei weiteren Mitarbeitern der Universität von Maiduguri zum Hospital der Provinzhauptstadt gebracht. Von fünf weiteren Mitarbeitern der Universität fehlt zur Zeit jede Spur.

Der Konvoi stand unter Bewachung von Regierungssoldaten und Mitarbeitern einer zivilen Sicherungsgruppe. Viele von ihnen starben offenbar bei dem Boko Haram-Angriff. Ein Mitarbeiter der Universität sagte, man sei anfangs froh über die "Rettungsaktion" des nigerianischen Militärs gewesen. Dann aber seien die Leichen der Geologen nach Maiduguri gebracht worden.

Schwerer Rückschlag im Kampf gegen Boko-Haram

Für die nigerianische Regierung ist diese Attacke ein schwerer Rückschlag im Kampf gegen Boko Haram. Immer wieder hatte Nigerias Präsident Buhari auf Erfolge verwiesen. Armeechef Tukur Buratai hatte erst Anfang Juli in einem BBC-Interview behauptet: "Was Militäraktionen anbetrifft, ist Boko Haram geschlagen."

Attacken wie der Angriff auf den bewachten Konvoi jetzt liefern ein anderes Bild. Am Mittwoch äußerte sich Nigerias Verteidigungsminister in der Hauptstadt Abuja zum Kampf gegen die Terror-Miliz. "Die Regenzeit ist immer schwierig für uns. Wir können dann nicht so agieren wie sonst. Aber alle unsere Anstrengungen konzentrieren sich darauf, Gelände zurückzugewinnen. Und all diese jetzt regelmäßig stattfindenden Angriffe werden künftig gestoppt werden", sagte Mansur Dan Ali.

Regierung sah ausreichende Sicherheitslage

Derart vollmundige Versprechen waren schon oft zu hören. Das nigerianische Militär hatte dem jetzt überfallenen Konvoi zur Erdöl-Exploration zuvor grünes Licht gegeben. Die Sicherheitslage im Bundesstaat Borno sei ausreichend gut, um eine solche Erkundungsfahrt durchzuführen, hatten sie gesagt. Nach dem desaströsen Angriff auf den Konvoi blieb dem Erdölminister Nigerias nur, sein "Bedauern" auszudrücken. Und sämtliche Erdöl-Erkundungsaktionen bis auf weiteres einzustellen.

Dutzende Tote bei Angriff von Boko Haram in Nigeria
Jens Borchers, ARD Rabat
28.07.2017 11:38 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 28. Juli 2017 um 12:30 Uhr.

Darstellung: