Mädchen bekommen Unterricht in einer Koranschule in Nigeria | Bildquelle: AFP

UN-Bericht zu Boko-Haram-Verbrechen Bösartig, skrupellos und unvorstellbar

Stand: 03.08.2015 10:16 Uhr

Mord, Folter, Vergewaltigung. Es war erschütternd, was UN-Hochkommissar al Hussein dem Menschenrechtsrat in Genf über die Verbrechen von Boko Haram in Nigeria berichtete. Auch Kamerun, Niger und Tschad sind betroffen.

Von Hans-Jürgen Maurus, ARD-Hörfunkstudio Zürich

UN-Menschenrechtskommissar al Hussein bei einer Presssekonferenz | Bildquelle: AP
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UN-Menschenrechtskommissar al Hussein berichtet von erschütternden Verbrechen

Massaker, Niederbrennen ganzer Dörfer, Folter, Entführungen - auch von Kindern, sexuelle Gewalt. Es war ein gespenstischer und erschütternder Zwischenbericht, den der UN-Hochkommissar für Menschenrechte Zaid al Hussein den Mitgliedern des UN-Menschenrechtsrats in Genf präsentierte. Die schier unvorstellbaren und sadistischen Gräueltaten der Terrororganisation Boko Haram sollten niemanden ruhig schlafen lassen.

Überlebende berichten von erschütternden Vorfällen

Boko-Haram-Kämpfer wüten im Nordosten Nigerias in einem Ausmaß, wie es kaum nachvollziehbar ist. Der UN-Hochkommissar spricht von einem Muster bösartiger und skrupelloser Verbrechen "auf einer immensen Skala". Dazu zählen auch Attacken auf Schulen und Gotteshäuser. Wer hier Schutz suche, werde abgeschlachtet, so al Hussein. Überlebende schilderten Folter, Verschleppungen, Rekrutierung von Kindersoldaten.

Überlebende haben uns erschütternde Vorfälle berichtet, so der UN-Hochkommissar, grausame Massentötungen von Männern und Jungen, die von Boko-Haram-Kämpfern zusammengetrieben und einfach niedergeschossen oder mit Macheten abgeschlachtet wurden. Mädchen würden verschleppt, sexuell versklavt oder zwangsverheiratet, berichtete al Hussein. Viele der Opfer seien von ihren Vergewaltigern geschwängert worden.

Stichwort: Boko Haram

Die Gruppe Boko Haram kämpft seit ihrer Gründung 2002 für einen islamischen Gottesstaat im muslimischen Norden Nigerias. Immer wieder verübt sie blutige Anschläge auf Kirchen, Schulen, Sicherheitskräfte, Politiker oder Behördenvertreter und entführt Menschen.

Der Name der Gruppe bedeutet in einem örtlichen Dialekt "Westliche Bildung ist eine Sünde". Seit 2010 tragen sie auch den arabischen Namen "ǧamāʿat ahl as-sunna li-d-daʿwa wa-l-ǧihād" - übersetzt etwa "Vereinigung der Sunniten für den Ruf zum Islam und den Dschihad". Die Mitglieder sehen sich selbst als "Nigerianische Taliban". Boko Haram wird verdächtigt, Verbindungen zum nordafrikanischen Arm des Al-Kaida-Netzwerks und zur islamistischen al-Shabaab-Miliz in Somalia zu unterhalten.

Lange galt die Gruppe als internes nigerianisches Problem. Doch mittlerweile schlagen die Terroristen auch in den Nachbarländern Kamerun, Niger und Tschad zu.

"Zivilisten verbrannten bei lebendigem Leib in ihren Hütten"

Ein Mann steht vor einem niedergebrannten Haus in einem nigerianischen Dorf | Bildquelle: AFP
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Boko Haram verbrennt Menschen bei lebendigem Leib in ihren Hütten

Auch in den Nachbarstaaten Kamerun, Niger und Tschad hätten Boko-Haram-Kämpfer gnadenlos zugeschlagen und der Bevölkerung schreckliches Leid zugefügt, so der UN-Menschenrechtskommissar, Zivilisten verbrannten bei lebendigem Leib in ihren Hütten, wurden enthauptet oder versklavt, vergewaltigt, gefoltert und zwangsrekrutiert.

Der Menschenrechtskommissar verlangt, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Ob dies geschieht, ist völlig offen. Die Dimension der Brutalität und Kriegsverbrechen von Boko Haram ist atemberaubend. Als ermutigend bezeichnet al Hussein die Tatsache, dass die Regierung allmählich Fortschritte bei der Rückeroberung einiger Gebiete macht. Dies führe zu einer Verbesserung der Sicherheitslage, doch müsse man sich auch darum kümmern, die Armut und soziale Verelendung zu bekämpfen.

UNO prangert Gräueltaten von Boko Haram an
H.-J. Maurus, ARD Zürich
01.07.2015 16:55 Uhr

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