Von Boko Haram freigelassene Mädchen | Bildquelle: AFP

Terrorgruppe in Nigeria Boko Haram lässt Dutzende Mädchen frei

Stand: 21.03.2018 22:19 Uhr

Boko Haram hat Dutzende jüngst entführte Mädchen freigelassen. Damit sind viele der 110 gekidnappten Schülerinnen wieder bei ihren Familien. Bei der Freilassung sprach die Terrormiliz jedoch eine Warnung aus.

Die Extremistenmiliz Boko Haram hat die meisten der vor wenigen Wochen in Nigeria entführten Mädchen freigelassen. Die Kämpfer hätten die Schülerinnen in die Ortschaft Dapchi gefahren und dort auf der Straße ausgesetzt, sagten Augenzeugen. Eine der befreiten Schülerinnen sagte allerdings, dass fünf der Mädchen ums Leben gekommen seien. "Eines ist immer noch bei ihnen, weil sie Christin ist", sagte die Schülerin.

Anwohner aus Dapchi berichten, die Terrorgruppe habe bei der Aktion eine klare Warnung ausgesprochen. Die Menschen sollten ihre Töchter "niemals mehr in die Schulen bringen". Westliche Bildung sei verboten und unislamisch, zitieren die Anwohner einen Führer der Terroristen.

Von Boko Haram freigelassene Mädchen werden in einem Krankenhaus behandelt | Bildquelle: AP
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Die freigelassenen Mädchen wurden in einem Krankenhaus behandelt. Zahlreiche Anwohner folgten ihnen dorthin, um sich ein Bild von der Situation zu machen.

Offenbar kein Lösegeld gezahlt

Insgesamt hatten die Aufständischen am 19. Februar 110 Mädchen im Alter von elf bis 19 Jahren entführt. 101 von ihnen sind damit nun auf freiem Fuß. Es war der größte Entführungsfall seit 2014, als Boko Haram 270 Mädchen unter seine Gewalt gebracht hatte. Die Freilassung sei "mit der Hilfe von Freunden unseres Landes" gelungen, sagte Informationsminister Lai Mohammed. Lösegeld sei nicht gezahlt worden. Beobachter hatten zuvor befürchtet, dass die Mädchen aus Dapchi deswegen entführt worden seien, um Lösegeld zu erpressen, nachdem Boko Haram im vergangenen Jahr Geld als Gegenleistung für die Freilassung anderer Mädchen erhalten hatte.

Seit Beginn des Aufstands der Extremistenmiliz 2009 sind mehr als 20.000 Menschen ums Leben gekommen, zwei Millionen wurden vertrieben. Von den 270 Mädchen, die im April 2014 in Chibok entführt wurden, gelang etwa 60 kurze Zeit später die Flucht. Weitere wurden freigelassen. Ungefähr 100 dürften sich aber noch in der Gewalt der Extremisten befinden. Hilfsorganisationen sprechen von Tausenden weiteren entführten Erwachsenen und Kindern.

Schülerinnen frei, viele Fragen offen – Ende einer Boko Haram-Entführung
Jens Borchers, ARD Rabat
21.03.2018 21:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. März 2018 um 13:00 Uhr.

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