Blauhelm-Soldaten in Bangui / Zentralafrikanische Republik | Bildquelle: AFP

Missbrauch durch UN-Blauhelme Die Liste der Schande

Stand: 05.03.2016 03:58 Uhr

16 UN-Missionen weltweit sollen in Konflikten zum Frieden beitragen. Doch UN-Blauhelmsoldaten aus 21 Nationen wird nun Missbrauch oder Vergewaltigung vorgeworfen. Sie stehen auf einer "Liste der Schande", die nun veröffentlicht wurde.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

"Liste der Schande" wird der Bericht bei der UN genannt, in dem Fall für Fall Soldaten und Polizisten aus 21 Nationen aufgeführt sind, denen 2015 im Einsatz in einer der 16 UN-Missionen Missbrauch oder Vergewaltigung vorgeworfen wird.

"Jeder, der unter der Fahne der Vereinten Nationen dient und die Verwundbarsten zu Opfern macht, ist eine Abscheulichkeit", sagt der Inder Atul Khare. Er ist als UN-Untersekretär zuständig für die UN-Blauhelm-Einsätze. In dem Bericht des UN-Generalsekretärs sind zum ersten Mal Zahl, Herkunft der mutmaßlichen Täter und Art der Missbrauchsvorwürfe gegen Blauhelmsoldaten aufgelistet.

"Ich schäme mich, mich selbst einen Blauhelmsoldaten zu nennen, wenn ich einige dieser Fälle hier sehe", sagt Khare. 2015 gab es 69 Missbrauchsvorwürfe: Sex mit Minderjährigen, Sex gegen Geld, Vergewaltigungen, Nötigungen. "Die abscheulichen Taten einiger untergraben das Ansehen vieler“, sagt der UN-Vertreter.

Knapp 125.000 UN-Blauhelme und Polizisten sind derzeit in 16 UN-Missionen weltweit im Einsatz. In mindestens zehn Missionen gab es offenbar Missbrauchsfälle, die meisten - ein Drittel - in der Zentralafrikanische Republik. Beschuldigt werden Soldaten aus der Demokratischen Republik Kongo, aus Kamerun, Marokko, Nigeria, Niger, Südafrika, Ruanda und dem Senegal. Vorwürfe gegen Polizisten und Soldaten aus Deutschland, Kanada, der Slowakei und Ghana wurden mittlerweile ausgeräumt.

Strafverfolgung für Blauhelmsoldaten

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon will jetzt eine internationale Konvention, die die Strafverfolgung von Taten regelt, die Blauhelmsoldaten begangen haben: "Wir müssen Rechenschaft verlangen. Null Toleranz heißt auch Keine Immunität."

Ban Ki Moon | Bildquelle: dpa
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Ban Ki Moon setzt sich dafür ein, Strafverfolgung für Blauhelmsoldaten zu ermöglichen.

Ban Ki Moon fordert angemessene Strafverfolgung und notfalls Prozesse direkt vor Ort. Genau das aber ist derzeit noch das Problem. Blauhelme unterstehen der Gerichtsbarkeit der entsendenden Nationen. Kein einziger Fall aus 2015 hatte für Blauhelmsoldaten bisher juristische Folgen.

"Einige der verhängten Strafen waren schlicht lachhaft", sagt Khare: Neun Tage Suspendierung für Sex mit Minderjährigen, als ein Beispiel. Derzeit erarbeiten die USA einen Resolutionsentwurf, der künftig eine Strafverfolgung von Blauhelmsoldaten vorschreibt. Darüber hinaus sollen Truppen stellende Nationen gezwungen werden können, DNA-Proben von beschuldigten Soldaten bei Vergewaltigungsvorwürfen und Vaterschaftsklagen zur Verfügung zu stellen.

"Wir müssen die Täter so bestrafen, dass künftig niemand mehr auf die Idee, kommt, solche Taten zu begehen", sagt Ban. Im Februar hatte er eine Sonderbeauftragte ernannt, die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs durch UN-Friedenstruppen zu untersuchen. Eine Expertenkommission hatte den UN zuletzt im Dezember institutionelles Versagen bescheinigt.

UN legen Missbrauchsfälle durch Blauhelme offen
G. Schwarte, ARD New York
05.03.2016 09:21 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 05. März 2016 um 12:26 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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