Sepp Blatter | Bildquelle: dpa

Gerüchte um FIFA-Präsidenten Blatter - Rücktritt vom Rücktritt?

Stand: 14.06.2015 11:12 Uhr

Bleibt Sepp Blatter doch FIFA-Präsident? Zumindest denke er darüber nach, berichtet die Zeitung "Schweiz am Sonntag". Vor allem Verbände aus Afrika und Asien wollten den angekündigten Rückzug des 79-Jährigen verhindern.

Von Hans-Jürgen Maurus, ARD-Hörfunkstudio Zürich

Gerade mal zwei Wochen ist es her, seit sich Joseph S. Blatter vom letzten FIFA-Kongress für eine fünfte Amtszeit wählen ließ: Trotz aller Turbulenzen um Festnahmen hochrangiger FIFA-Funktionäre in einem Züricher Luxushotel, trotz einer 160 Seiten starken knallharten Anklageschrift der US-Justizbehörden gegen 14 Personen und trotz massiven Rücktrittsforderungen. Doch vier Tage später kam die Rücktrittsankündigung des Präsidenten des Fussballweltverbandes.

Und jetzt eine neue Variante. Plant Sepp Blatter einen Rücktritt vom Rücktritt? Die Wochenzeitung "Schweiz am Sonntag" meldet das heute. Als Aufmacher. Und berichtet weiter: Afrikanische und asiatische Fussballverbände setzten sich für Blatter ein und wollten verhindern, dass er wie angekündigt, vorzeitig abtritt. Als Quelle wird das engste Umfeld des Präsidenten des Weltfussballverbandes genannt. Die "Schweiz am Sonntag" spricht bereits von der "Operation Comeback". Blatter selbst sei über die Unterstützungsbekundungen hocherfreut und schließe nicht aus, sein Amt fortzuführen.

Hat Blatter nur geblufft?

Damit würde das FIFA-Drama nicht nur um eine weitere Variante ergänzt, sondern weitergehen. Hat Blatter also einmal mehr mit seiner Rücktrittsankündigung geblufft? Spielt er nur auf Zeit, um die Karten neu zu mischen und seine Truppen in Stellung zu bringen? Bei "Seppi" ist vieles möglich. Der 79-jährige Walliser ist mit allen Wassern gewaschen, kennt jeden Trick in der Branche und hängt an seinem Amt. Der "Fußballpapst" hat schon bei früheren Wahlen seine letzte Amtszeit angekündigt und dann die Rolle rückwärts gemacht. Taktische Finten sind die Spezialität des gerissenen Fußballspitzenfunktionärs.

Blatter weiß außerdem, dass er immer noch große Unterstützung bei vielen Verbänden genießt. Der Grund: Er ist mehrheitsfähig, bisher gibt es noch kaum herausragende Nachfolgekandidaten und Blatter kennt die Furcht vieler afrikanischer und asiatischer Verbände vor der europäischen Dominanz. Und der Noch-Präsident sei in bester Laune, heißt es in der FIFA-Zentrale, und widme sich seinem neuen Lieblingsprojekt, den FIFA-Reformen. Die brauche es, hat der ewige Präsident bei seinem letzten Auftritt eingeräumt.

Staranwalt angeheuert

Doch kann der oberste Fußballfunktionär, in dessen Ära die Korruption derart blühte, solche Reformen glaubhaft exekutieren? Ob Blatter bleibt, hängt längst nicht mehr von ihm selbst ab. Sondern davon, welche Ergebnisse die Ermittlungen der amerikanischen Justizbehörden zutage fördern. Und davon, wer von den bisher Verhafteten was ausgepackt hat und wer noch plaudern wird. Um sich zu wappnen, hat Blatter offenbar den Schweizer Staranwalt Lorenz Erni angeheuert. Der wurde am vergangenen Donnerstag bereits in der FIFA-Zentrale gesichtet.

Blatter - Rücktritt vom Rücktritt?
H.-J. Maurus, ARD Zürich
14.06.2015 09:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Juni 2015 um 13:15 Uhr.

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