Tony Blair | Bildquelle: REUTERS

Blair gegen Brexit "Der Austritt ist nicht unvermeidlich!"

Stand: 17.02.2017 15:14 Uhr

Das Parlament hat "Ja" gesagt, die Mehrheit der Briten sowieso - aber Ex-Premier Tony Blair schreckt das nicht. Er wirbt leidenschaftlich für den Verbleib seines Landes in der EU. Die Regierung findet die Anti-Brexit-Kampagne gar nicht lustig.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Es sei jetzt nicht die Zeit für Rückzug, für Gleichgültigkeit oder für Verzweiflung. Sondern es sei jetzt die Zeit, aufzustehen und das zu verteidigen, woran man glaube - so Tony Blair. Es war ein leidenschaftlicher Appell des früheren britischen Premierministers, den bevorstehenden Austritt aus der EU nicht als scheinbar unvermeidlich zu akzeptieren: "Die Brexiteers sagen, die Meinung des Volkes könne sich nicht ändern. Aber sie kann sich ändern! Sie werden sagen, der Austritt sei jetzt unvermeidlich. Das ist er nicht! Sie werden sagen, die Brexit-Gegner repräsentieren nicht das Volk. Wir tun das aber, wir repräsentieren Millionen, und mit unserer Hartnäckigkeit bald noch ein paar Millionen mehr."

Damit erinnerte Blair daran, dass sich die Briten im Juni 2016 nur mit knapper Mehrheit für den Brexit ausgesprochen hatten. Der frühere Labour-Chef redete an historischer Stelle: Im Bloomberg-Haus in London. Dort hatte sein Nach-Nachfolger David Cameron vor ziemlich genau vier Jahren angekündigt, mit Brüssel über eine Reform der EU zu verhandeln und das Ergebnis anschließend den Briten zur Abstimmung vorzulegen, in einem Referendum, mit der Frage: Soll das Land in der EU bleiben oder nicht? Cameron wollte Großbritannien in der EU halten, die Briten entschieden aber mit 52 zu 48 Prozent für den Austritt.

"Ein Brexit ohne Rücksicht auf die Kosten"

Blair sagt heute, seine Landsleute seien von den Argumenten der EU-Gegner fehlgeleitet worden: "Die Leute haben ohne Kenntnis der tatsächlichen Bedingungen des Brexit abgestimmt. Jetzt, wo diese Bedingungen klar werden, haben sie alles Recht ihre Meinung zu ändern. Und wir sollten sie dabei unterstützen. Der Weg, der sich jetzt abzeichnet, ist nicht einfach nur der harte Brexit, es ist ein Brexit ohne Rücksicht auf die Kosten."

Die Regierung ist sauer

Die Regierung May setze mit Ihrem Brexit-Plan zwei Drittel des britischen Handels aufs Spiel, sagt Blair. Sie gefährde den zerbrechlichen Frieden in Nordirland. Und sie riskiere die Einheit des Königreichs, wenn die EU-freundlichen Schotten sich in einem Referendum für die Abspaltung von Großbritannien aussprechen sollten.

Die Anhänger des Brexit reagierten wütend auf die Blair-Rede. So auch Außenminister Boris Johnson: "Tony Blair, das ist der Typ, der bei uns am liebsten den Euro eingeführt hätte, mit katastrophalen Konsequenzen. Der Typ, der uns in den komplett falschen Irak-Krieg gezwungen hat, worunter die Außenpolitik immer noch leidet. Wenn er jetzt die Menschen auffordert, gegen den Brexit aufzustehen, sage ich: Sie sollten aufstehen, um den Fernseher auszuschalten, wann immer Blair dort mit seiner herablassenden Kampagne auftaucht."

Ein Regierungssprecher erklärte, es werde kein zweites Referendum geben. Und Blairs Labour-Party hat sich unter ihrem neuen Vorsitzenden Jeremy Corbyn in das Brexit-Schicksal gefügt und den Austritts-Plan der Regierung May im Unterhaus bereits durchgewinkt.

Tony Blair will Brexit stoppen
J.-P. Marquardt, ARD London
17.02.2017 14:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. Februar 2017 um 15:08 Uhr.

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