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23.02.2012

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Ausland
Blackout für Blackberry
London: Cameron droht mit Blackout für Blackberry
Reaktion auf Gewalt in Großbritannien

Cameron droht mit Blackout für Blackberry

Im vergangenen Jahr machten die arabischen Golfstaaten Front gegen den kanadischen Smartphone-Hersteller "Research in Motion" und seinen internetbasierten Blackberry-Messenger (BBM): Weil der Chat-Dienst nicht staatlich kontrolliert werden kann, drohten die Regierungen mit einer Sperre.

Der britische Premier Cameron spricht im Parlament. (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Blockade für Blackberry? Der britische Premier Cameron stellt das zur Diskussion. ]
Ähnliches überlegt jetzt offenbar die britische Regierung. Als Reaktion auf die Gewalt hat Premier David Cameron die zeitweise Blockade des beliebten Chat-Dienstes zur Diskussion gestellt. Die Regierung arbeite mit Polizei, Geheimdienst und Hersteller zusammen und überlege, ob es möglich sei, die Kommunikation über diese Online-Dienste zu stoppen, wenn sie für die Verabredung zur Gewalt genutzt werden. Auch solle geprüft werden, ob Krawallmachern der Zugang zu Internetdiensten wie Twitter und Facebook verwehrt werden kann.

Die gleiche Forderung erhob auch der Unterhausabgeordnete David Lammy. Mit dem behördlichen Abschalten der Messenger-Funktion von Blackberry solle verhindert werden, dass Randalierer auf diesem Weg zu weiteren Krawallen aufriefen, sagte Lammy über Twitter und den BBC-Hörfunk. Lammy hat seinen Wahlkreis im Londoner Stadtteil Tottenham.

Vorsprung gegenüber der Polizei

Seit Beginn der Krawalle im Londoner Stadtteil Tottenham bedienen sich die Randalierer des Handys vom Typ BlackBerry, um ihre Aktionen zu koordinieren. Zahlreiche Fotos zeigten sogar gewaltbereite, vermummte Jugendliche, die vor brennenden Autos und Gebäuden Nachrichten in ihre Handys tippten.

Die (nicht nur) bei britischen Jugendlichen beliebte Kommunikationsplattform BlackBerry Messenger (BBM) verschafft den Randalieren gegenüber der Polizei einen Vorsprung. Denn die verschlüsselten Nachrichten können anders als bei normalen Mobiltelefonen nicht sofort zurückverfolgt werden. Die Nutzung des BBM ist zudem kostenlos und ermöglicht im Gegensatz zu anderen sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter einen weitaus privateren Datenverkehr.

Keine juristische Handhabe

Die Überlegungen der britischen Regierung riefen bei Spezialisten auf dem Gebiet der Internetkriminalität Besorgnis hervor. Die Regierung habe juristisch wenig in der Hand, um gegen die Internetdienste vorzugehen, da diese nicht in Großbritannien säßen, sagte der Medienanwalt Steve Kuncewicz. Da es um das Thema freie Meinungsäußerung gehe, könnte Cameron zudem starke Kritik drohen. Der Computerexperte Graham Cluley sagte, es sei ein Leichtes, solche Verbote zu umgehen und über Umwege zu kommunizieren.

Auch britische Sicherheitsexperten warnten vor den Folgen eines zeitweisen Einschränkung von Twitter, Facebook oder Blackberry-Diensten. Die Aufstände in den arabischen Ländern, die überwiegend über soziale Online-Netzwerke organisiert waren, hätten gezeigt, dass sämtliche Versuche einer staatlich verordneten Blockade gescheitert seien. Mehr noch: Je stärker die Behörden versucht hätten, das Internet zum Schweigen zu bringen, desto mehr Menschen seien auf die Straße gegangen.

Und der Kommentator des britischen "Guardian", Jeff Jardis, verglich Cameron mit der Regierung Saudi-Arabiens, die ebenfalls versucht habe, den Blackberry-Dienst zu beschränken.

Jarvis sah auch keinen Unterschied zwischen Camerons Überlegungen und der Vorgehensweise Chinas oder arabischer Regime, die auch die Kommunikation über soziale Online-Netzwerke blockierten.

Zusammenarbeit ja, Daten nein

Der kanadische Hersteller RIM hatte zuvor bereits zugesagt, mit der britischen Regierung zu kooperieren. Aber: Persönliche Daten und Verbindungen werde das Unternehmen nicht übergeben.

Smartphone Blackberry (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Chat-Funktion des Blackberry: weltweit beliebt ]
Ob RIM hart bleibt, ist unklar: Im Streit mit Saudi-Arabien vor einem Jahr gab der Hersteller dem Druck nach. RIM stimmte zu, in dem Land einen Server zu installieren und damit den Behörden Zugriff auf die Daten zu geben.

Die kostenlose Kommunikationsplattform BlackBerry Messenger ist weltweit beliebt. Mehr als 45 Millionen Menschen nutzen den Service, 70 Prozent von ihnen täglich.

Stand: 12.08.2011 08:43 Uhr
 

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