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In der Südtürkei ist der Vorsitzende der türkischen Bischofskonferenz, Padovese, erstochen worden. Nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu wurde der Apostolische Vikar in seinem Haus in der Hafenstadt Iskenderun angegriffen. Er soll von seinem Fahrer umgebracht worden sein.
Von Steffen Wurzel, ARD-Hörfunkstudio Istanbul
[Bildunterschrift: Bischof Padovese wurde im Vorgarten seines Hauses mit einem Messer angegriffen. ]
Im Südosten der Türkei ist der Vorsitzende der türkischen Bischofskonferenz, Padovese, erstochen worden. Der 63-Jährige wurde im Vorgarten seines Hauses in der Stadt Iskenderun mit einem Messer angegriffen.
Die türkische Polizei fasste den mutmaßlichen Täter kurze Zeit nach dem tödlichen Angriff. Dies bestätigte der Gouverneur von Iskenderun, Lekesiz. Es soll sich dabei um den ebenfalls katholischen Fahrer des Geistlichen handeln. Als Fahnder den Mann festnahmen, soll er die Tatwaffe noch bei sich getragen haben. Über den genauen Tathergang und ein mögliches Motiv ist noch nichts bekannt.
Ein Reporter des türkischen Fernsehsenders NTV berichtete vom Tatort: "Nach Angaben der Anwohner der Wohnsiedlung war der Fahrer ebenfalls katholisch und hat seit vier Jahren für Bischof Padovese gearbeitet. In den letzten Tagen ist der Fahrer den Anwohnern durch sein merkwürdiges und verstörtes Verhalten aufgefallen. Padovese war unter den Bewohnern der Wohnsiedlung sehr beliebt. In der Wohnsiedlung herrrscht tiefe Trauer, manche Anwohner haben geweint."
Zuletzt hatte sich Padovese vor zwei Wochen zur Situation der Christen in der Türkei geäußert. Dabei hatte er betont, dass sich die Lage verbessert habe. In einem Interview mit dem ARD-Hörfunk vor einigen Monaten hatte der italienische Geistliche die generelle Bedeutung der Türkei für das Christentum hervorgehoben."Wir leben auf einem Grundstück voll von Schätzen. Wo sonst ist das Christentum so gewachsen wie in der Türkei? Wenn man bedenkt, dass die meisten Schriften des Neuen Testaments in diesem Land geschrieben worden sind, dann denkt man: Hier gibt es viel zu entdecken."
Erzbischof Padovese leitete das Apostolische Vikariat Anatolien. Er war damit für rund 4500 Katholiken im Süden und Osten der Türkei zuständig. Das Apostolische Vikariat Anatolien erstreckt sich von der türkischen Hauptstadt Ankara bis an die irakische Grenze. Iskenderun ist der Sitz des Vikariats. Das Gebiet um die Stadt, in der Nähe der Grenze zu Syrien, ist eine für das Christentum geschichtlich bedeutende Region. Unweit von Iskenderun befindet sich die St.-Petrus-Grotte, in der die ersten Christen zum Gottesdienst zusammengekommen sein sollen.
In den vergangenen Jahren hatte es in der Türkei mehrere gewaltsame Übergriffe gegen katholische Geistliche in der Türkei gegeben. Zuletzt hat sich die Lage aber wieder beruhigt.
Der Vatikan verurteilte die Tat in einer ersten Reaktion als "schrecklich und unglaublich". Padovese sollte am Freitag nach Zypern fliegen, um dort von Papst Benedikt XVI. das Arbeitspapier für die Nahost-Bischofssynode im Herbst in Empfang zu nehmen.
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