Birmas Herrscher Than Shwe Prunksüchtig und abergläubisch

Stand: 09.05.2008 12:08 Uhr

Selten zeigt er sich in der Öffentlichkeit und doch hat er ein Land völlig unter Kontrolle: Than Shwe, Chef der Militärregierung in Birma. Als dienstältester General der Junta sieht er sich selbst als Reinkarnation des Königs, doch seine Herrschaft übt er am liebsten im Verborgenen aus. "Eine seiner wichtigsten Strategien ist es, alles geheim zu halten, so dass er jeden überraschen und das Land länger regieren kann", sagt der in Thailand lebende Oppositionelle Win Min.

Seinen Regierungssitz ließ der 75-Jährige im Dschungel erbauen, 400 Kilometer nördlich von Rangun und angeblich auf Rat seiner Astrologen. Die sollen ihm sogar den Einzugstermin empfohlen haben. Aus Naypyidaw, was übersetzt "Wohnsitz der Könige" heißt, regiert er mit einer mächtigen Armee das südostasiatische Land.

Bescheidene Anfänge

Birmas Diktator Than Shwe
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Vom Postbeamten zum Diktator Birmas: Than Shwe

Sein Leben begann Than Shwe in viel bescheideneren Verhältnissen. Der 1933 in Mandalay in Zentralbirma geborene Shwe arbeitete zunächst als Postbeamter in einer geschäftlich gut florierenden Kleinstadt nahe Mandalay. Mit 20 wechselte er als Offiziersanwärter in die Armee seines Landes, das nach der britischen Kolonialherrschaft erst wenige Jahre zuvor seine Unabhängigkeit erreicht hatte. Später trat er einer Einheit bei, die sich auf psychologischen Krieg spezialisiert hatte.

Als nach einem Militärputsch 1962 General Ne Win die Macht in Birma übernahm, machte dieser Than Shwe zum Leiter der Zentralschule für Politikwissenschaft in Phaung-gyi nahe der damaligen Hauptstadt Rangun. Shwe blieb dem Militär jedoch treu. Wenig später kehrte er in den Dienst der Armee zurück und kletterte Stück für Stück die Karriereleiter hinauf. Als 1988 ein Volksaufstand ausbrach, wurde General Ne Win gestürzt und General Saw Maung übernahm die Macht. Shwe wurde als eines der 21 Junta-Mitglieder zur rechten Hand von Maung.

Saw Maung führte 1990 Wahlen durch, die zur großen Überraschung des Militärs die oppositionelle Nationale Liga für Demokratie (NLD) gewann. Doch die Partei gelangte nie an die Macht. Als Than Shwe 1992 die Junta-Führung übernahm, hob er das Wahlergebnis auf und setzte NLD-Führerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi unter Hausarrest, der bis heute andauert und höchstens von Gefängnisaufenthalten unterbrochen wird.

Im September 2007 kam es zur größten Protestaktion seit der Machtübernahme der Militärjunta. Die Demonstrationen, die von buddhistischen Mönchen angeführt wurden, hatten sich an Preiserhöhungen entzündet. Shwe ließ die Proteste gewaltsam niederschlagen, wobei nach offiziellen Angaben 13 Menschen ums Leben kamen.

Rücksichtslos kämpfte Shwe auch gegen seine Widersacher im Militär. Im Oktober 2004 entließ er General Khin Nyunt, den mächtigen Chef des militärischen Geheimdienstes. Khin Nyunt und dessen Familie ließ er zusammen mit Hunderten anderen inhaftieren.

Luxusleben der Herrscherclique

Soldaten blockieren eine Straße zur Shwedagon-Pagode
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Soldaten blockieren die Straße zur Shwedagon-Pagode, wo die jüngsten Proteste begonnen hatten.

Trotz seiner brutalen Herrschaft hält sich Than Shwe für einen Führer mit Visionen. "Er möchte offensichtlich als ein wohlwollender König in die Geschichte eingehen", sagt ein Beobachter. Royales Antlitz verlieh Shwe seiner Herrschaft, indem er wie einst die buddistischen Könige Pagoden, Brücken und Straßen bauen ließ.

Die Öffentlichkeit in Birma bekommt ihn jedoch kaum zu Gesicht. Than Shwe, der schwer erkrankt sein soll, tritt selten auf und selbst staatlichen Medien untersagt er, sein Foto zu veröffentlichen. Doch 2006 wurde ein Video von der Hochzeit seiner Tochter publik. Darauf erstrahlte die Braut im Diamantenschmuck; der Sekt floss in Strömen. Angeblich verschlang die Party dreimal so viel Geld, wie jährlich für das Gesundheitswesen ausgegeben wird. Andere Mitglieder der Junta lassen es sich ebenfalls gut gehen. Angeblich wird ein Spross eines Kabinettsmitglieds täglich zum Studieren nach Singapur geflogen - in einem Jet der Luftwaffe.

Vom Reichtum Shwes und dem Luxusleben der Führungsclique können die meisten Menschen in Birma nur träumen, denn seit er die Herrschaft übernahm, gehört das Land zu den ärmsten der Welt. Den meisten Menschen bleibt auch heute gerade genug zum Leben. Strom geschweige denn einen Fernseher können sich nur die Wenigsten leisten.

Isolation setzte sich fort

International ist das Land, das seine Diktatoren in Myanmar umbenannt hatten, auch unter Shwe weitgehend isoliert geblieben. Einzig die Nachbarn China und Thailand unterhalten wirtschaftliche Beziehungen zu Birma. Während Thailand das Ziel vieler birmanischer Exilanten ist, hält Peking auch im UN-Sicherheitsrat schützend die Hand über Birmas Regime. China geht es dabei wohl auch um den Zugang zum indischen Ozean.

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