Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Die US-Regierung hat zentrale Angaben zum Ablauf der Kommandoaktion zur Tötung von Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden korrigiert. Bin Laden sei bei seiner Tötung durch US-Elitesoldaten nicht bewaffnet gewesen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. Allerdings seien andere Männer in dem Anwesen bewaffnet gewesen und hätten Widerstand geleistet. Bin Laden sei bei einem "unberechenbaren Schusswechsel" ums Leben gekommen.
[Bildunterschrift: Das Gebäude in der pakistanischen Stadt Abbottabad, wo sich Osama Bin Laden versteckte und getötet wurde, ist nun Anlaufpunkt für Schaulustige und Journalisten. ]
Zunächst hatten Regierungsvertreter gesagt, Bin Laden habe sich der Sondereinheit widersetzt und sich an einem "Feuergefecht beteiligt", bei dem er getötet worden sei. Es sei aber unklar, ob er dazu gekommen sei, Schüsse abzugeben, bevor er selbst getroffen wurde. Carney blieb dabei, dass sich der Al-Kaida-Chef widersetzt habe. "Widerstand zu leisten erfordert keine Feuerwaffe", sagte er wörtlich. Der Sprecher teilte weiter mit, dass sich eine Ehefrau bei Bin Laden befand, als das Sonderkommando in den Raum stürmte. Auch sie sei unbewaffnet gewesen, habe aber versucht, einen der US-Soldaten anzugreifen. Sie sei dann ins Bein geschossen worden und habe überlebt. Bei dem Einsatz der Kommandoeinheit wurden fünf Menschen getötet: neben Bin Laden noch einer seiner Söhne, sein Kurier Abu Ahmed al Kuwaiti und dessen Frau und Bruder.
Die Entscheidung, ihn zu töten sei in Bruchteilen von Sekunden gefallen, nachdem er drohende Bewegungen gemacht habe, sagte CIA-Direktor Leon Panetta. Deshalb sei geschossen worden. Dazu seien die Soldaten auch ermächtigt worden.
Von der UNO kam derweil Kritik an der Informationspolitik der USA. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte forderte detaillierte Angaben zur Tötung des Al-Kaida-Chefs. Der Einsatz von US-Spezialkräften in Pakistan sei komplex gewesen, sagte Navi Pillay in Genf. "Es wäre hilfreich, wenn wir die präzisen Fakten wüssten, die mit Bin Ladens Tötung zu tun haben." Pillay hatte mehrfach darauf hingewiesen, dass bei Anti-Terror-Einsätzen internationales Recht beachtet werden müsse. Eine Festnahme bin Ladens wäre aber vermutlich schwierig gewesen, räumte sie ein. In diesem Fall hätte sich der Al-Kaida-Terrorist vermutlich wegen schwerster Verbrechen vor Gericht verantworten müssen, darunter Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Derweil äußerten die Taliban Zweifel am Tod Bin Ladens. Die Nachricht vom Tod des Terroristenchefs "kommt bisher nur von einer Seite", sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid. Die radikalislamische Organisation werde die Berichte erst dann glauben, wenn sie einen Beweis gesehen habe oder eine Bestätigung aus eigenen Quellen erhalte.
Ob die US-Regierung Fotos von der Leiche Bin Ladens veröffentlicht, ist weiter unklar. Regierungssprecher Carney erklärte, die Bilder seien "schauerlich" und könnten wie Zündstoff wirken. Vor diesem Hintergrund werde geprüft, ob es nötig sei, sie zu veröffentlichen. Bin Laden soll zwei Mal in den Kopf getroffen worden sein, einmal direkt über dem linken Auge. Zu den Befürwortern einer Veröffentlichung gehört hingegen CIA-Chef Panetta. Er zeigte sich überzeugt, dass in Kürze schließlich doch ein Foto veröffentlicht werde. Die Veröffentlichung sei nötig, um Zweifel auszuräumen, dass der Al-Kaida-Chef tatsächlich tot sei. Die Entscheidung müsse letztlich vom Weißen Haus getroffen werden.
Die Nachricht vom Tod Bin Ladens ließ die Umfragewerte von US-Präsident Barack Obama bereits kräftig steigen. Mit dem tödlichen Militäreinsatz in Pakistan sind laut einer Umfrage von "USA Today" und Gallup 93 Prozent der Befragten zufrieden. Eine Erhebung der "Washington Post" und des Pew Research Center ergab, dass die meisten erleichtert, stolz oder froh nach der Tötung bin Ladens sind. Obama betrachten laut einer Erhebung von CNN und des Opinion Research Center (ORC) inzwischen 58 Prozent als "starke und entschlossene" Führungspersönlichkeit. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als noch im April. Für Pew-Erhebung wurden am 2. Mai 654 Erwachsene befragt, für die Umfrage von USA Today/Gallup wurden 645 Interviews geführt. Die Fehlerquote wurde mit fünf Prozentpunkten angegeben. CNN/ORC befragten 700 Erwachsene und gaben die Fehlerquote mit vier Prozentpunkten an.
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW