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80 Jahre Billboard-Charts Die 100 heißesten Hits

Stand: 04.01.2016 16:30 Uhr

Sie sind der Gradmesser der Musikbranche: die Charts. In den USA feiern die "Hot 100" - ehemals "Hitparade" - nun 80. Geburtstag. Zum Jubiläum begibt sich unsere ARD-Korrespondentin auf eine kleine Zeitreise und schaut hinter die Kulissen der Billboard Charts.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

Schwungvoll, gute Laune versprühend, lässig: So klang vor genau 80 Jahren der beliebteste Song in den USA. Am 4. Januar 1936 veröffentlichte das Musikheft "Billboard Magazin" zum ersten Mal die Charts und nannte die Auflistung "Hitparade". Joe Venuti belegte mit seinem "Stop, Look and Listen" den ersten Platz.

Das populärste Musikformat damals? Eine zehn Zoll große Platte, die mit 78 Umdrehungen pro Minute abzuspielen war. Eine Platte reichte für genau zwei Songs, einen auf der Vorderseite, einen auf der Rückseite.

Aus der "Hitparade" werden die "Hot 100"

Heute lassen sich auf unseren Smartphones Tausende Songs speichern – und die Veränderungen in der Musikindustrie haben auch vor den Billboard Charts nicht haltgemacht. Das Äquivalent zur damaligen "Hitparade" ist die heutige Liste "Hot 100", sie wurde 1958 eingeführt. Und da regiert aktuell schon seit neun Wochen in Folge auf Platz 1 Adele mit "Hello".

Die Art des Musikkonsums hat sich im Laufe der Jahrzehnte stetig verändert – nach der Schallplatte kam die Kassette, es folgten die CD und schließlich digitale Downloads. Heutzutage muss man Musik gar nicht mehr besitzen, um sie zu hören. Ein Abonnement bei einem Streaming-Dienst wie Spotify, Pandora oder AppleMusic reicht.

80 Jahre Billboard Charts
N. Markwald, ARD Los Angeles
04.01.2016 15:41 Uhr

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Kriterien zur Ermittlung der Charts

All diese Veränderungen spiegeln sich auch in den Billboard Charts wieder. Die Tage, an denen Verkäufer und Radiosender per Hand ausgefüllte Listen über Verkäufe und Abspielzahlen beim Radio an Billboard schickten, sind lange vorbei. Wie an einem gut laufendem Motor wurden über die Zeit Schrauben angezogen oder gelockert, um die Trends der Zeit zu integrieren.

Musikjournalist Chris Molanphy vom Radiosender NPR erklärt, wie sich die "Hot 100" heutzutage zusammensetzen: "Drei Dinge spielen bei den Hot 100-Charts eine Rolle: wie häufig wurde ein Song im Radio gespielt? Wie oft wurde der Song verkauft – das schließt digitale Verkäufe wie bei iTunes oder Amazon mit ein. Und der dritte Faktor: wie häufig wurde ein Lied gestreamt – also bei Anbietern wie Youtube oder Spotify gehört?"

Ein Gradmesser für die Musikbranche

Seit 2005 zählt Billboard digitale Verkäufe mit, 2007 kam die Zahl der Songs, die bei Streamingdiensten gehört wurden, hinzu. "An der 'Hot 100' lassen sich kulturelle Veränderungen ablesen, beispielsweise Phasen, in denen HipHop wichtiger oder weniger wichtig wurde. Man hat eine schlagkräftige Quelle, um zu messen, wohin sich unsere Kultur zu einem bestimmten Zeitpunkt bewegt", sagt Musikjournalist Chris Molanhpy.

Die "Hot 100" ist nur eine von vielen Hitparaden bei Billboard. In den Anfangstagen gab es jeweils für Disc-Jockey-Playings, Juke Boxes oder Verkaufszahlen eigene Charts. Heute hat fast jeder Musikstil seine eigene Hitparade, selbst für Klingeltöne von Mobiltelefonen.

Dieser Beitrag lief am 04. Januar 2016 um 07:50 Uhr auf WDR 5.

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