Vizepräsident Joe Biden und seine Frau Jill im Rosengarten des Weißen Hauses. | Bildquelle: REUTERS

Präsidentschaftswahlen in den USA Joe Biden verzichtet - und macht weiter

Stand: 21.10.2015 21:30 Uhr

Wie wird der nächste Präsident der Vereinigten Staaten heißen? Auf jeden Fall nicht Joe Biden. Der Vizepräsident verzichtet auf eine Kandidatur. Dann hielt er eine kurze Rede, die auch ein Regierungsprogramm hätte sein können.

Von Andreas Horchler, ARD-Hörfunkstudio Washington

Joe Biden hat sich viel Zeit gelassen. Jetzt steht fest: Hillary Clinton hat freie Bahn Richtung Kandidatur für die US-Demokraten. Nur Bernie Sanders, der unabhängige Senator aus Vermont, hat außer Clinton noch nennenswerte Zustimmungswerte. "Danke, dass Sie mir den Rosengarten einmal ausleihen", scherzte Biden bei seinem Auftritt vor dem Weißen Haus in Richtung Barack Obama. Antwort Obamas: "Ein netter Ort."  

Dann erklärte der 72-jährige Vizepräsident, der bei Demokraten und Republikanern als integrer, sympathischer Vollblutpolitiker gilt, seine Familie habe nach dem Krebstod seines 46-jährigen Sohnes Beau im Mai durch eine Phase der Trauer gehen müssen. Ihm sei immer klar gewesen, dass es für eine Bewerbung um das höchste Amt im Land ein Zeitfenster gibt. Er sei zu dem Schluss gekommen: Dieses Fenster hat sich geschlossen.

Präsident Obama (li.) und sein Vize Biden im Rosengarten des Weißen Hauses. | Bildquelle: AFP
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"Danke, dass Sie mir den Rosengarten einmal ausleihen": Vizepräsident Biden und Präsident Obama vor dem Weißen Haus.

Biden will sich weiter einmischen

Die Tatsache, dass er nicht kandidiere, werde nicht bedeuten, dass er still halten werde, versicherte Biden und legte in knapp 15 Minuten sein Programm dar, das auch zu einer Kandidatur gepasst hätte. Er werde sich weiter einmischen - in die Geschicke der Partei und des Landes. Amerika habe sich während der Präsidentschaft Obamas aus der Krise heraus bewegt. Es wäre eine Tragödie, würde sich das Land von der Erbschaft des Präsidenten abwenden, sagte Biden. Es gehe weiterhin um die amerikanische Mittelklasse, die soziale Gerechtigkeit im Land. Kostenlose Bildung, mehr Kinderbetreuung, Abschied von der Rolle als Weltpolizist zugunsten einer Zusammenarbeit in internationalen Bündnissen.

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Mögliche US-Präsidentschaftskandidaten

Hillary Clinton

Sie ist die bekannteste und wohl auch aussichtsreichste Anwärterin auf die Nachfolge von US-Präsident Barack Obama: Hillary Clinton von den Demokraten. Viele Wähler halten Hillary und ihren Mann aber auch für überaus trickreich und geheimniskrämerisch. Und so könnten Vorwürfe, sie habe als Außenministerin einen privaten E-Mail-Account für dienstliche Zwecke gebraucht, ihre Kandidatur belasten. | Bildquelle: REUTERS

Glaubwürdiger als die beiden ernsthaften Bewerber, die nun im demokratischen Rennen um die Präsidentschaft bleiben, vertritt Biden auch den Kompromiss als politisches Mittel der Wahl. "Ich gehöre nicht zu den Leuten die denken, es sei naiv mit Republikanern zu sprechen. Wir sollten die Republikaner nicht als unsere Feinde betrachten. Sie sind die Opposition. Zum Wohl des Landes müssen wir zusammenarbeiten." Washington müsse endlich anfangen, wieder zu funktionieren, rief Biden auch in Richtung von Hillary Clinton, die zuletzt scharfe Töne gegen die US-Republikaner angeschlagen hatte.

Biden bleibt mit seiner Entscheidung, als einer der wenigen Vizepräsidenten der amerikanischen Geschichte nicht für das höchste Amt anzutreten, was er immer war: ein Optimist, der daran glaubt, dass Amerika seine besten Tage noch vor sich hat. Präsident wäre er gern geworden, um sagen zu können: "Während meiner Präsidentschaft haben wir den Krebs besiegt."

Joe Biden tritt nicht als Präsidentschaftskandidat an
A. Horchler, ARD Washington
21.10.2015 21:08 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 22. Oktober 2015 um 09:30 Uhr bei Inforadio.

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