Joe Biden und Benjamin Netanjahu | Bildquelle: REUTERS

US-Vizepräsident Biden auf Nahost-Reise Terror vereint USA und Israel

Stand: 09.03.2016 16:53 Uhr

Das tödliche Attentat auf einen Touristen aus den USA in Israel hat die beiden Staaten wieder näher aneinanderrücken lassen. US-Vizepräsident Biden verurteilte den Terror scharf. Aber Meinungsunterschiede bleiben bestehen

Von Peter Kapern, ARD-Studio Tel Aviv

Diesmal gab es keinen Eklat beim Besuch von US-Vizepräsident Joe Biden in Israel - also nicht wie bei seiner Visite vor sechs Jahren. Damals verkündete die israelische Regierung den Bau neuer Wohnungen im besetzten Ostjerusalem, während Biden sich gerade um eine Annäherung zwischen Israelis und Palästinensern bemühte. Ein Affront.

Diesmal aber gab es einen Schulterschluss. Ausgelöst wurde dieser durch die jüngste Welle von Anschlägen. Gestern Abend, als ein palästinensischer Attentäter einen US-Touristen in Jaffa tötete und elf weitere Menschen verletzte, saß Biden nur wenige hundert Meter entfernt im Gespräch mit Israels Ex-Präsident Shimon Peres. Bidens Frau und Enkelkinder saßen derweil in einem Restaurant - noch näher am Tatort.

Unter dem Eindruck dieser Erfahrungen passte heute kein Blatt Papier zwischen den Gastgeber, Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, und seinen Besucher aus Washington. Biden betonte: "Lassen Sie mich unmissverständlich sagen: Die USA verurteilen diese Taten, und sie verurteilen jeden, der diese Taten nicht verurteilt."

Vice President Biden @VP
Tragic attack in Jaffa today, taking the life of an American. There is no justification for such acts of terror.

Verstimmung nach dem Atomabkommen mit Iran

In diesem kurzen Satz steckte eine für Netanyahu wichtige Botschaft. Denn dessen Beziehungen zum Weißen Haus sind seit Jahren auf das Schwerste belastet. Mit der US-Regierung überwarf sich Netanyahu wegen des Atomabkommens mit dem Iran - dieser Streit überschattet beinahe alle Felder der bilateralen Beziehungen.

Die Bidens (li.) beim offiziellen Foto mit dem Ehepaar Netanyahu. | Bildquelle: AP
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Gruppenfoto in Jerusalem: die Bidens (li.) mit dem Ehepaar Netanyahu.

Mit seinem Satz aber machte Biden deutlich: Wenn es um die Abwehr politisch motivierter Gewalt geht, dann stehen die USA an der Seite Israels. Denn die andere Konfliktpartei, die Palästinenser, die verurteilen solche Anschläge nicht, wie Netanyahu deutlich machte: "Ich schätze Deine eindeutige Verurteilung des Terrorismus. Nichts rechtfertigt solche Attacken. Aber leider weigert sich Präsident Abbas diese Terrorangriffe zu verurteilen. Und nicht nur das. Seine Fatah rühmt den Mann, der gestern einen US-Bürger ermordete, auch noch als palästinensischen Märtyrer und Held." Die Haltung der Fatah sei falsch und die ganze internationale Gemeinschaft solle die verurteilen, die sich weigern, Terroristen zu verurteilen.

Damit hatte Netanyahu seinem Besucher quasi einen Arbeitsauftrag erteilt. Denn Biden reist am Abend nach Ramallah, um Mahmud Abbas zu treffen.

Biden wünscht sich Verhandlungen

Dass zwischen Washington und Jerusalem trotz des heutigen Schulterschlusses nicht alle Meinungsunterschiede über den Nahostkonflikt ausgeräumt sind, blieb erkennbar.

Während die israelische Regierung mit immer härten Maßnahmen gegen die Attentäter und ihre Familien vorgeht, um die nun seit sechs Monaten andauernde Welle von Anschlägen palästinensischer Einzeltäter zu stoppen, gab Biden nach seiner Unterredung mit Staatspräsident Reuven Rivlin zu Protokoll, die Anschlagsserie sei nicht durch den Einsatz physischer Gewalt allein zu lösen. Schon gestern hatte er Israel und die Palästinenser aufgerufen, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Schulterschluss: Joe Biden in Israel
P. Kapern, ARD Tel Aviv
09.03.2016 16:18 Uhr

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