Trauer in Beslan (Archiv) | Bildquelle: AFP

Entscheidung des EGMR Geiseldrama von Beslan - Russland verurteilt

Stand: 13.04.2017 10:49 Uhr

Bei dem Geiseldrama im russischen Beslan starben 2004 mehr als 330 Menschen - viele durch das rücksichtslose Eingreifen der russischen Einsatzkräfte. Dafür verurteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Moskau nun zur Zahlung von drei Millionen Euro Schmerzensgeld.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat Russland wegen der blutigen Beendigung des Geiseldramas von Beslan im Jahr 2004 verurteilt. Die Straßburger Richter gaben am Donnerstag 409 Klägern Recht - unter ihnen Überlebende und Angehörige von Opfern, die bei dem Einsatz der russischen Sicherheitskräfte getötet oder verletzt wurden. Das Gericht verurteilte Moskau dazu, insgesamt knapp drei Millionen Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Dabei wurde berücksichtigt, dass Russland Angehörige und Überlebende bereits teilweise entschädigt hat.

EGMR verurteilt Russland wegen blutiger Beendigung der Geiselnahme von Beslan
tagesschau 20:00 Uhr, 13.04.2017, Golineh Atai, ARD Moskau

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"Erhebliche Mängel" beim Krisenmanagement

Die russischen Kläger halten das Krisenmanagement der russischen Einsatzkräfte für katastrophal. Die Verhandlungen mit den Geiselnehmern seien schlecht geführt und zahlreiche Todesfälle durch übertriebene Gewalt der Einsatzkräfte verursacht worden.

Der Argumentation folgten die Richter: Sie warfen den Sicherheitskräften "erhebliche Mängel" beim Krisenmanagement sowie einen unverhältnismäßigen Einsatz von Waffen wie Panzerkanonen, Granat- und Flammenwerfern vor. Die Behörden hätten außerdem nicht genug getan, um den Angriff zu verhindern, obwohl Hinweise auf mögliche Pläne für einen Anschlag auf eine Bildungseinrichtung in der Region vorgelegen hätten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Kreml erklärte in einer Stellungnahme, man könne dem Urteil nicht zustimmen. Ein Sprecher erklärte, die Kritik an Russland sei inakzeptabel, wenn man bedenke, dass das Land Opfer eines Terrorangriffs gewesen sei.

Mehr als 330 Tote

Bei dem Terrorangriff 2004 auf eine Schule starben mehr als 330 Menschen, unter ihnen mehr als 180 Kinder. Mehrere Hundert Personen wurden verletzt. Schwer bewaffnete Rebellen aus dem Konfliktgebiet Tschetschenien nahmen damals mehr als 1100 Geiseln. Die Lage eskalierte mit mehreren Explosionen und einem stundenlangen Feuergefecht.

Nach offizieller Darstellung hatten die Terroristen am dritten Tag der Geiselnahme Sprengstoff in der Turnhalle gezündet. Erst danach habe die Stürmung des Gebäudes begonnen. Eine Version, der viele Überlebende damals widersprachen: Es seien russische Einsatzkräfte gewesen, die mit Brandmunition das Feuer auf die voll besetzte Halle eröffnet hätten. Auch eine Untersuchungskommission der Duma kritisierte später das chaotische und nicht abgestimmte Vorgehen der Kräfte vor Ort.

Die Familien der Opfer erhielten damals umgerechnet knapp 2000 Euro für jeden Toten. Dennoch fühlen sich viele von der Staatsführung - damals war Wladimir Putin erstmals Präsident - allein gelassen. Für psychologische und medizinische Betreuung fehle oftmals das Geld, wird häufig beklagt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. April 2017 um 12:00 Uhr.

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