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Berlusconis erste Aussage im Ruby-Prozess
Erst Bunga-Bunga und jetzt Angst um den Ruf
Sex mit Minderjährigen und Amtsmissbrauch lautet die Anklage gegen den früheren italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi. In seiner ersten Aussage im Ruby-Prozess wies er alle Anschuldigungen zurück. Ob das für den von ihm erhofften Freispruch langt, ist unklar.
Von Tilmann Kleinjung, ARD-Studio Rom
In 16 Prozessen stand Silvio Berlusconi als Angeklagter vor Gericht. Und noch immer konnte er den Gerichtssaal als freier Mann verlassen. Diesmal scheint sich der Ex-Ministerpräsident nicht so sicher zu sein. Der Ruby-Prozess macht ihm Angst, heißt es in seinem Umfeld.
Dabei geht es gar nicht so sehr um eine mögliche Haftstrafe, die er als 76-Jähriger nicht mehr im Gefängnis verbüßen müsste. Berlusconi fürchtet um sein politisches Lebenswerk. Und so war sein Auftritt heute in Mailand der wohl überlegte und lang vorbereitete Versuch zu retten, was noch zu retten ist.
"Ich habe meine Gäste niemals gebeten, über die Abende zu schweigen, weil es nichts gab, über das ich hätte besorgt sein müssen. Die Abende waren nichts anderes als etwas Zerstreuung mit Freunden nach Wochen intensiver Arbeit", sagte er. Mehr als eine halbe Stunde dauert die Erklärung von Berlusconi.
Silvio Berlusconi sagt erstmals im 'Ruby' Prozess aus
T. Kleinjung, ARD Rom
19.10.2012 13:00 Uhr
Es geht um die vermeintlichen Sex-Parties in seiner Villa bei Mailand, um die minderjährige Marokkanerin Ruby, die daran teilgenommen hatte, und um seinen Anruf bei den Carabinieri nachts am 27. Mai 2010, mit dem der damalige Ministerpräsident Ruby aus dem Polizeigewahrsam geholt hatte.
Zwei Vorwürfe lasten auf Berlusconi
Die Staatsanwaltschaft hat daraus zwei Vorwürfe konstruiert: Amtsmissbrauch und die Prostitution Minderjähriger. In der Öffentlichkeit setzte sich eine andere Bezeichnung durch: "Bunga-Bunga-Partys".
Dazu meinte Berlusconi: "Die Bezeichnung 'Bunga-Bunga' ist aus einer witzigen Bemerkung von mir entstanden, die ich mehrmals wiederholt habe und die die Presse dann übernommen hat. Manchmal ging man zum Tanzen in die Diskothek, die meinen Kindern gehörte. Da habe ich nie mitgemacht. Dort passierte das, was man in jedem Lokal sehen kann, das für das Publikum jeglichen Alters geöffnet ist."
Keine Zweifel an Rubys Alter?
Die Staatsanwaltschaft sieht das anders und versucht nachzuweisen, dass die Feste im Hause Berlusconi eindeutig sexueller Natur waren und dass die Teilnehmerinnen dafür bezahlt wurden. Unter anderem auch Karima El Mahroug, genannt Ruby, die damals noch unter 18 war.
Berlusconi sagte heute, Ruby habe ihr Alter mit 24 angegeben, daran habe niemand gezweifelt. Und er selbst habe nie eine intime Beziehung mit ihr gehabt. "Ich kann also ausschließen, dass sich jemals irgendwelche sexuellen Szenen abgespielt haben. Auch deswegen, weil sich alles in der Gegenwart von Kellnern, Musikern, Wach- und technischem Personal und Gästen, die nur einen Abend da waren, abgespielt hat."
Hilfe für eine Verwandte Mubaraks?
Bleibt noch der Vorwurf des Amtsmissbrauchs. Berlusconi hat sich ja bei der Polizei für die inhaftierte Ruby eingesetzt, mit der Begründung, sie sei eine Nichte des damaligen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak. Diese Version bestätigte Berlusconi nun vor Gericht teilweise: Ruby habe sich ihm tatsächlich als Ägypterin vorgestellt, die mit Mubarak verwandt sei.
"Es ist doch offensichtlich, dass ich kein Interesse hatte, von der Polizei irgendwelche Gesetzesverstöße zu verlangen. Ich habe nie am Telefon Druck auf den Polizeibeamten ausgeübt, es ging nur darum - das hat er selbst hier bestätigt -, ihn um eine einfache Information zu bitten", begründete Berlusconi.
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Und dann kam sie doch noch: die Richterschelte
Berlusconi vor Gericht: Im dunkelblauen Anzug steht er in der ersten Reihe des Gerichtssaals, neben ihm seine Anwälte. Er wirkt ruhig und überzeugt, seine Erklärung liest er ab, um am Schluss zu seiner üblichen Richterschelte anzusetzen: Der Prozess sei eine monströse Verleumdungskampagne gegen ihn und seine Freundinnen.
Stand: 19.10.2012 13:09 Uhr
