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Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Berlusconi wird in Rom gejubelt. Besonders junge Menschen feiern das Ende einer Ära, auf das sie lange gewartet haben. "Es war höchste Zeit", sagen sie. Nun soll Ex-EU-Wettbewerbskommissar Monti Berlusconi folgen und eine neue Regierung bilden.
Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom
Es ist ein bitterer Abschied aus dem Amt. Mit versteinerter Miene sitzt Silvio Berlusconi im Auto und muss sich die Spottrufe anhören, die sie ihm hinterher schreien auf dem Weg zum Staatspräsidenten. "Buffone" – "Hanswurst"!
Dies war kein freiwilliger Rücktritt – so viel ist klar. Doch nachdem ihm seine Mehrheit im Abgeordnetenhaus weggebrochen war, blieb Berlusconi keine andere Wahl, als der bittere Gang zu Staatspräsident Giorgio Napolitano. Der ließ kurz darauf mitteilen: "Heute um 21 Uhr hat der Abgeordnete Silvio Berlusconi seinen Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten erklärt."
"Gott sei Dank!", so die Reaktion einer Demonstrantin. "Wir sind froh, dass wir uns von Berlusconi befreit haben, und dem was er für unser Land bedeutet. Das ist ein Hoffnungszeichen, wir hoffen, dass wir so etwas nie wieder erleben müssen."
Berlusconis letzte Nacht in der Ministerpräsidenten-Residenz, im Palazzo Grazioli, war eine laute Nacht. "Die Mafia raus aus dem Staat", schrien hunderte Römer vor seinen Fenstern. Und dann stimmten sie spontan die Nationalhymne an, wie um ihrem Ex Ministerpräsidenten vorzusingen: "Das Volk sind wir!"
"Es war höchste Zeit", sagt der Student Andrea. "Eine Wende für das Land. Es hat viel zu lang gedauert. Wir haben so einen nicht verdient, mit so wenig Intellekt und Kultur."
Es sind vor allem die jungen Menschen, die diese Nacht in Rom zum Volksfest machen. Sie feiern nicht nur das Ende einer Amtszeit, sondern das Ende einer Ära. "Dieser Mann hat Italien verändert", sagte wenige Stunden zuvor Dario Franceschini, Fraktionsvorsitzender der Demokratischen Partei, im italienischen Abgeordnetenhaus. "Wir werden in ein neues Zeitalter eintreten. Berlusconi ist im Guten wie im Schlechten ein Spalter unseres Landes gewesen. Alles wurde von ihm bestimmt, die Koalitionen und die Debatten. Für oder gegen Berlusconi. Diese Zeit ist nun vorbei", so Franceschini.
Wie tief Berlusconi das Land und vor allem die Politik gespalten hat, bewies sein letzter Auftritt als Ministerpräsident gestern im Parlament. Es war ein Auftritt ohne Worte, dafür skandierten "seine" Abgeordneten "Silvio, Silvio".
Ein Parlamentarier, der zuvor die Fraktion verlassen hatte, kam nicht zu Wort, weil er ständig von "Verräter, Verräter"-Rufen unterbrochen wurde. Es waren Zustände wie im Fußballstadion. Dazu ein Fraktionsvorsitzender Fabrizio Cicchitto, der mit vor Rührung bebender Stimme das Hohelied auf Berlusconi anstimmte: "Wir sagen Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der zurückgetreten ist, obwohl er es nicht musste, Danke für alles, was er getan hat."
Nun hat Staatspräsident Giorgio Napolitano einen Tag Zeit, den Regierungswechsel zu organisieren. Er hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass er Mario Monti für den einzig geeigneten und mehrheitsfähigen Kandidaten hält, eine Übergangsregierung zu leiten.
Monti ist 68 Jahre alt und Professor an der renommierten Mailänder Bocconi Universität. Er hat Erfahrungen in der Politik als EU-Wettbewerbskommissar und klare Vorstellungen von der Zukunft Italiens: "Wir wissen, dass es generell um Reformen geht, die jungen Menschen mehr Chancen bringen und Privilegien derjenigen beschneiden, die gerade die Kontrolle haben."
Das sagte Mario Monti vor wenigen Monaten, gestern schwieg er in der Öffentlichkeit, traf sich aber mit Berlusconi zu einem mehrstündigen Gespräch. Ein klares Zeichen, dass Berlusconi und seine Partei einer Übergangsregierung Monti nicht mehr im Weg stehen.
Allerdings stellen sie Bedingungen. "Wir können jederzeit den Stecker ziehen", soll Berlusconi gesagt haben. Er ist zurückgetreten, aufgegeben hat er noch nicht.
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