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Italiens Regierungschef fällt wieder mit Sprüchen auf, die Dementis erzwingen oder Entsetzen auslösen. Höhepunkt des gefürchteten "Berlusconi in concert" waren diesmal Äußerungen zu Vergewaltigungen und hübschen Italienerinnen.
Von Gregor Hoppe, ARD-Hörfunkstudio Rom
[Bildunterschrift: Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi fiel wieder einmal peinlich auf. ]
Männlicher Chauvinismus, Machosprüche, offen bekundeter Sexismus - das alles ist nichts, was einen italienischen Politiker gleich in Bedrängnis bringen muss. Aber diesmal hat es selbst Silvio Berlusconi noch mal geschafft, überaus peinlich aufzufallen. Der Fall einer Vergewaltigung hatte öffentliches Aufsehen erregt - zumal der Untersuchungsrichter dem geständigen Täter umgehend Hausarrest gewährte und ihn aus der Untersuchungshaft entließ. Am Wochenende sagte der Regierungschef dazu: Um alle Vergewaltigungen zu verhindern, bräuchte es so viele Soldaten wie es hübsche Mädchen in Italien gebe, und das schaffe beim besten Willen niemand.
Die Entrüstung, die das bei Frauengruppen, der Opposition und bei Leitartiklern hervorrief, ficht Berlusconi nicht an. Er habe doch nur den schönen Italienerinnen ein Kompliment machen wollen, erklärte der Premier in kaum mehr erträglicher Behäbigkeit. Oppositionsführer Walter Veltroni warf dem Regierungschef vor, Italiens Frauen herabzusetzen. "Das sagt Veltroni? Das ist obszön, wie üblich", verteidigte sich Berlusconi. "Wenn die Linken darüber wieder ihre Spielchen treiben, sollten sie sich schämen!"
[Bildunterschrift: Die Bewohner von Lampedusa reagierten wütend auf Berlusconis Aussagen. ]
Von Sardinien aus, wo Berlusconi einen riesigen Landsitz hat, kommentierte er bei der gleichen Gelegenheit auch locker flockig die Lage der Flüchtlinge auf Lampedusa: Zur Massenflucht aus dem Auffanglager am Samstag und der Demonstration vor dem Rathaus der Insel sagte Berlusconi, das sei so schlimm ja nicht gewesen. Die Flüchtlinge hätten, wie sie es öfter zu tun pflegten, nur ein Bier trinken gehen wollen. Die Bewohner von Lampedusa schäumen vor Wut.
In Italien haben wieder die Tage des gefürchteten "Berlusconi in concert" begonnen. So nennt man des Premiers trommelfeuerartiges Verlautbaren von allem Möglichen, dem dann teilweise die eigenen Leute Dementis entgegensetzen müssen. Verteidigungsminister Ignazio La Russa etwa widerspricht heute der Ankündigung seines Regierungschefs, wonach die Zahl der zur Steigerung der Inneren Sicherheit in den Städten eingesetzten Heeressoldaten verzehnfacht werden solle.
Berlusconi hat solche Phasen, in dem ihm die eigene Rede entgleitet. Als Medienmann und geübter Redner ist er kaum imstande, an einem Mikrofon vorbeizugehen, ohne irgendetwas zu sagen. Das ist gefährlich, vor allem für die eigenen Mitarbeiter, die dann Nachfragen von Journalisten mit dem beantworten müssen, was in der Regierungsarbeit zum betreffenden Thema aktueller tatsächlicher Sachstand ist.
Audio: Entrüstung in Italien nach sexistische Äußerungen BerlusconisMan gewinnt den Eindruck, der in Berlusconis früheren Amtszeiten entstand: Der Premier selbst versteht sich als Entertainer ohne Sachgebiet. Details sind Sache der Minister und seines "Kanzleramtschefs" Gianni Letta, der im Hintergrund de facto das Regieren erledigt.
[Bildunterschrift: Wie ein Entertainer ohne Sachgebiet: Silvio Berlusconi. ]
Und dann kommt in regelmäßigen Abständen ein Gegensteuern vonseiten der Gattin des Premiers: Veronica Lario, die etwas weniger Schönheitsoperationen hinter sich haben dürfte als Berlusconi selbst, äußerte sich neulich begeistert über den neuen US-Präsidenten Barack Obama. Dem hatte Berlusconi bei dessen Wahlsieg bescheinigt, jung, gut aussehend und bestens gebräunt zu sein. Da grinsten Berlusconi-Fans, und den Gegnern des Premiers kam das verzweifelte Heulen, das in Italien mittlerweile viele erleiden, die sich um Bild des Landes in der Welt sorgen.
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