Blick vom Ufer aus auf die havarieret "Costa Concordia".

Die Bergung eines Kreuzfahrt-Riesen Beim Abrutschen des Schiffs droht eine Katastrophe

Stand: 18.01.2012 05:15 Uhr

Um eine Umweltkatastrophe zu verhindern, soll die havarierte "Costa Concordia" so schnell wie möglich geborgen werden. Im Notfall muss sie dafür in mehrere Teile zerschnitten werden. Doch das birgt Risiken. Das Schiff könnte abrutschen. Außerdem könnte Öl aus den Tanks austreten.

Von Sandra Stalinski, tagesschau.de

Die Suche nach den Vermissten hat Priorität auf der verunglückten "Costa Concordia" vor der Insel Giglio, da sind sich alle einig. Dennoch soll das Schiff so schnell wie möglich geborgen werden, um schlimme Folgen für die Natur zu verhindern. Ein Expertenteam der niederländischen Bergungsfirma Smit ist bereits auf der Insel eingetroffen, um darüber zu beraten.

"Aufwändig und teuer, aber lösbar"

Die Costa Concordia ist halb versenkt neben einem Riff der Insel Giglio.
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Womöglich muss die "Costa Concordia" in bis zu 15 Teile zerschnitten werden.

Bislang kann über Einzelheiten der bevorstehende Bergung nur spekuliert werden, doch Experten gehen davon aus, dass das bis zu drei Jahre dauern könnte. "In diesem Fall ist das eine sehr aufwändige und teure Geschichte, aber eine lösbare Aufgabe", sagt Eyk-Uwe Pap vom Rostocker Unternehmen Baltic Taucher gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. "Wenn es irgendeine Chance gibt, den Schaden am Rumpf abzudichten, kann man das Schiff eventuell auspumpen und aufrichten. Wenn das nicht möglich ist, muss die 'Costa Concordia' in mindestens 15 Teile zerschnitten werden." Diese könnten dann mit einem Großkran geborgen werden.

Doch im Vorfeld der Bergung müssen alle gefährlichen Stoffe abgepumpt werden, um beispielsweise das Austreten von Öl aus den Tanks zu vermeiden. Damit wird das Unternehmen Smit nach eigenen Angaben in einigen Tagen beginnen. Momentan gebe es aber noch keine Freigabe dafür. Die Umwelt sei ein sehr wichtiges Thema bei so einer Bergung, sagt Experte Pap. "Wenn man das Schiff durchschneidet, ist es unumgänglich, dass hier und da eine Gewässerverunreinigung stattfindet."

"Katastrophale Folgen für die Umwelt"

Auch der Ölexperte von Greenpeace Deutschland, Jörg Feddern, ist besorgt. Das havarierte Schiff liege in einem Walschutzgebiet im Tyrrhenischen Meer an Italiens Westküste. "Eigentlich sollten dafür Einschränkungen für die Schifffahrt gelten", sagt der Experte im Gespräch mit tagesschau.de. Das sei hier aber leider nicht der Fall. "Das Problem ist, dass Schiffe wie die 'Costa Concordia' hochgiftiges Schweröl als Treibstoff verwenden. Wenn das ins Meer gelangt, hat das katastrophale Folgen für die Umwelt. Deshalb fordern wir ein Verbot von Schweröl als Treibstoff für Schiffe."

Noch sei kein Öl ausgetreten, augenscheinlich sei keiner der Tanks beschädigt. Trotzdem müsse das Öl so schnell wie möglich abgepumpt werden. Doch das ist gar nicht so einfach. Schweröl muss zuerst auf etwa 60 Grad erhitzt werden, damit man es abpumpen kann. Bis alle Tanks leer sind, kann es nach Schätzungen von Experten zwei bis vier Wochen dauern.

Jörg Feddern, Ölexperte von Greenpeace Deutschland (Quelle: Bianca Schlegel/Greenpeace)
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Der Greenpeace-Ölexperte Jörg Feddern warnt vor einer Umweltkatastrophe. (Quelle: Greenpeace)

Beim Abrutschen könnten Tanks beschädigt werden

In der Zwischenzeit könnte die "Costa Concordia" aber weiter in die Tiefe rutschen. "Wenn das passiert, bevor das Öl abgepumpt ist, wäre das furchtbar. Denn dann wird es sehr viel schwieriger an das Öl heranzukommen", sagt Feddern. Außerdem sei die Gefahr sehr groß, dass dabei die Tanks beschädigt würden. Auch die Bergung des Schiffes wäre dann sehr viel schwieriger. Das Schiff sollte wegen der Umweltrisiken aber auch dann komplett geborgen werden, meint Feddern: "Es ist schließlich ein Fremdkörper in einem Naturschutzgebiet."

Die Folgen einer Ölkatastrophe vor der italienischen Küste sind schwer absehbar. "Auf jeden Fall ist das Leben vieler Meerestiere bedroht", sagt der Greenpeace-Experte. Das Beispiel des vor einigen Wochen havarierten Frachters "Rena" vor der Küste Neuseelands zeigt, dass schon geringe Mengen Öl schwerwiegende Folgen haben können. Damals seien rund 360 Tonnen Schweröl ins Meer gelaufen und es seien 20.000 Seevögel verendet, so Feddern. Bei der "Costa Concordia" handelt es sich um knapp 2400 Tonnen im Wrack.

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Schiffsunglück vor Italien

Der Weg der "Costa Concordia" in den Abendstunden des 13. Januar 2012

Die "Costa Concordia" lief am Abend des 13. Januar mit etwa 29 km/h westlichen Kurs auf die Insel Giglio - doch um 21:37 Uhr reißen die automatisch gesendeten Signale der Schiffsposition (AIS-Signal) offenbar ab. Gegen 21:45 Uhr havariert das Schiff an bislang unbekannter Position. Erst um 21:53 Uhr gibt es wieder ein Signal - die "Costa Concordia" fährt nur noch rund fünf km/h und ist etwa fünf Kilometer nordwestlich von der letztgemeldeten Position entfernt. Gegen 22:45 Uhr geht der Notruf bei der Küstenwache ein. Irgendwann wendet das Schiff und steuert gen Süden den rund 1,3 Kilometer entfernten Hafen der Insel Giglio an. Dort läuft sie etwa 500 Meter vor der Hafeneinfahrt auf Grund und kommt binnen Stunden in eine Schlagseite von fast 90 Grad. (Quelle: marinetraffic.com)

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