Bowe Bergdahl | Bildquelle: AFP

Anklage wegen Fahnenflucht Bergdahl muss vor Militärgericht

Stand: 15.12.2015 07:23 Uhr

Durch einen Gefangenenaustausch mit den Taliban kam er 2014 frei, nun steht fest: Der US-Soldat Bergdahl muss sich einem vollen Militärgerichtsverfahren wegen Fahnenflucht stellen. Sein Anwalt hatte bis zuletzt versucht, dies abzuwenden.

Der nach einem umstrittenen Gefangenenaustausch mit den Taliban in Afghanistan freigelassene US-Soldat Bowe Bergdahl kommt vor ein Kriegsgericht. Die Anklage sei zugelassen worden, teilte Bergdahls Anwalt Eugene Fidell mit.

Seine Hoffnung, für seinen Mandanten ein Verfahren vor einem Gericht für minderschwere Fälle zu erwirken, ist damit fehlgeschlagen. Bergdahl, dem Fahnenflucht und unpassender Umgang mit dem Feind vorgeworfen werden, droht im schlimmsten Fall lebenslange Haft.

Bergdahl hatte im Juni 2009 seinen Posten in Afghanistan verlassen und war von den radikalislamischen Taliban gefasst und fast fünf Jahre lang gefangen gehalten worden. 2014 kam er im Austausch gegen fünf Taliban frei, die im US-Gefangenenlager Guantánamo eingesessen hatten.

Vorwurf: Sicherheit der Truppe riskiert

Die US-Armee warf dem 29-Jährigen im März vor, er habe angesichts schwieriger oder gefährlicher Aufgaben desertiert und mit Fehlverhalten vor dem Feind die Sicherheit der Truppe riskiert. Bergdahls Anwalt Fidell wollte, dass der Fall vor einem speziellen Militärgremium für kleinere Regelverstöße verhandelt wird. Dann hätte Bergdahl auch nur relativ milde Strafen bekommen können, von Degradierung bis zu einem Jahr Haft. Darauf ließ sich das Militär aber nicht ein.

Vergangene Woche wurden im Rahmen des Podcasts "Serial" Telefonate Bergdahls mit dem Hollywood-Drehbuchschreiber Mark Boal veröffentlicht, in denen der Soldat über seine Gefangenschaft spricht.

Bergdahl erzählte, er habe den Stützpunkt verlassen, um eine Suchaktion des US-Militärs zu provozieren. Die Aufmerksamkeit habe er nutzen wollen, um auf Führungsprobleme in seiner Einheit hinzuweisen.

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