Austausch von US-Soldat Bergdahl Hagel verteidigt Deal mit Taliban
Stand: 11.06.2014 19:46 Uhr
US-Verteidigungsminister Chuck Hagel hat erneut den Austausch des vor fünf Jahren entführten Soldaten Bowe Bergdahl gegen fünf Guantanamo-Häftlinge verteidigt. Trotz gewisser Risiken sei dies die "richtige Entscheidung" gewesen, sagte Hagel bei einer Anhörung vor dem Repräsentantenhaus in Washington.
Angesichts des sich verschlechternden Gesundheitszustandes von Bergdahl habe US-Präsident Barack Obama kaum eine andere Möglichkeit gehabt. "Bei der Entscheidung, Feldwebel Bergdahl zu retten, haben wir das Gesetz eingehalten und geglaubt, im besten Interesse unseres Landes, unserer Armee und von Feldwebel Bergdahl zu handeln", sagte Hagel. "Amerika lässt seine Soldaten nicht zurück."
Bergdahl war Ende Mai von US-Spezialeinheiten in der ostafghanischen Provinz Chost in Empfang genommen worden. Im Gegenzug überstellte Washington fünf ranghohe afghanische Taliban-Mitglieder aus dem Gefangenenlager Guantanamo an das Golfemirat Katar, wo sich diese mindestens ein Jahr lang aufhalten müssen.
US-Verteidigungsminister Hagel rechtfertigt Taliban-Deal
S. Hasselmann, MDR Washington
11.06.2014 20:29 Uhr
"Präzedenzfall für Verhandlungen mit Terroristen"
Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses im Repräsentantenhaus, der Republikaner Buck McKeon, kritisierte den Gefangenenaustausch erneut als "zutiefst beunruhigend". Die Überstellung der Taliban schaffe "einen gefährlichen Präzedenzfall für Verhandlungen mit Terroristen". Damit bestehe ein erhöhter Anreiz, Vertreter der USA als Geiseln zu nehmen. Zuvor hatten sich demokratische Abgeordnete ähnlich geäußert.
McKeon wiederholte auch den Vorwurf, dass das Weiße Haus den Kongress nicht vor der Freilassung der Guantanamo-Häftlinge informiert habe. Hagel räumte ein, dass die Regierung ihren Verpflichtungen in diesem Punkt nicht nachgekommen sei: "Wir hätten eine bessere Arbeit leisten müssen, Sie auf dem Laufenden zu halten", sagte er. Allerdings habe es sich um eine "außerordentliche Situation" gehandelt. Ein Durchsickern der Gespräche mit den Taliban hätten den Deal platzen lassen können.
War Bergdahl ein Deserteur?
Der 28-jährige Bergdahl wird derzeit im US-Militärkrankenhaus Landstuhl bei Kaiserslautern behandelt. Wann er in die USA zurückkehren soll, ist nicht bekannt. Der Gefangenenaustausch ist auch deshalb umstritten, weil Bergdahl im Juni 2009 unter zweifelhaften Umständen von seinem Stützpunkt nahe der afghanisch-pakistanischen Grenze verschwand. Einige seiner damaligen Kameraden werfen ihm US-Medien zufolge vor, desertiert zu sein.
Gefangenenaustausch sorgt für Diskussionen in den USA
tagesschau 20:00 Uhr, 11.06.2014, Thomas Aders, ARD Kairo
