Angriff in Bengasi: Clinton übernimmt Verantwortung

US-Außenministerin Clinton (Bildquelle: AFP)

Clinton zum Bengasi-Angriff

Respekt und Vorwürfe

Es war einer ihrer letzten Auftritte als US-Außenministerin: Vor einem Senatsausschuss stellte sich Hillary Clinton Fragen zum tödlichen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi. Sie bekam Respekt, aber auch Vorwürfe zu hören. Clinton verteidigte sich leidenschaftlich und kämpfte am Ende mit den Tränen.

Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkstudio Washington

Die Anhörung im Senatsausschuss für Auswärtige Beziehungen war geprägt von großem persönlichen Respekt der Senatoren für die Leistungen der scheidenden Außenministerin. In der Sache aber warfen vor allem republikanische Senatoren der US-Regierung Versagen im Vorfeld des Anschlags und Vertuschung in den ersten Wochen nach dem 11. September 2012 vor. Nach fast zwei Stunden Anhörung kritisierte Senator John McCain: "Ihre Antworten heute Vormittag haben mich nicht zufriedengestellt."

Zuvor hatte Hillary Clinton die volle Verantwortung für die Pannen in ihrem Ministerium im Vorfeld des Anschlags übernommen. Die Anforderungen des beim Anschlag getöteten Botschafters Chris Stevens nach mehr Sicherheit hätten sie persönlich nicht erreicht, erklärte Clinton, sondern seien von den für diplomatische Sicherheit Verantwortlichen im Außenministerium abgelehnt worden: "Ich habe diese Anforderungen nie gesehen. Ich habe ihnen weder zugestimmt noch habe ich sie abgelehnt."

Deshalb habe es im Anschluss an den Bericht einer unabhängigen Untersuchungskommission sofort personelle Maßnahmen in ihrem Ministerium gegeben. Vier hochrangige Mitarbeiter seien von ihren Aufgaben entbunden worden. Außerdem habe sie die Sicherheit der Diplomaten in Risiko-Ländern zur Chefsache gemacht: "Niemand ist entschlossener als ich, aus diesen Geschehnissen zu lernen", versprach Clinton.

Clinton beantwortet Fragen zum Bengasi-Angriff
M. Ganslmeier, NDR Washington
24.01.2013 10:45 Uhr

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Respekt und Vorwürfe an Clinton

"Ich will das Außenministerium und unser Land sicherer und stärker verlassen", sagte Clinton mit Blick auf ihr baldiges Ausscheiden aus dem Amt. Clinton versprach, alle 29 Empfehlungen der unabhängigen Kommission umzusetzen.

Die republikanischen Senatoren lobten Clinton für ihren Einsatz und ihre Offenheit bei der Aufarbeitung des Anschlags von Bengasi. Dennoch könne auch sie nicht den Eindruck beseitigen, die US-Regierung habe den Terroranschlag zunächst als spontane Protestdemo gegen ein anti-muslimisches Schmähvideo herunterspielen wollen. An dieser Stelle wurde die ansonsten souverän und ruhig antwortende Außenministerin wütend: "Ob es ein Protest oder ein gezielter Anschlag war - welchen Unterschied machte es zu diesem Zeitpunkt?"

Ihre Leute hätten in den Tagen nach dem Anschlag alles Mögliche getan, um die Fakten zu klären. Bengasi sei nicht im luftleeren Raum geschehen. Die Umwälzungen in der arabischen Welt hätten vieles durcheinandergewirbelt und es habe in diesen Tagen Proteste gegen das Video gegeben.

Ausgebranntes US-Konsulat in Bengasi (Bildquelle: dapd)
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Bei dem Angriff auf das Konsulat starben vier US-Diplomaten.

Tränen für die Opfer

Clinton kämpfte mit den Tränen, als sie schilderte, wie sehr sie die Tötung des amerikanischen Botschafters Stevens und weiterer drei US-Bürger persönlich getroffen habe. Als ihre Särge in Washington eintrafen, habe sie ihre Familienangehörigen umarmt.

Nach ihrem Auftritt im Senat stand Clinton auch noch dem Abgeordnetenhaus Rede und Antwort. Am Donnerstag kehrt sie ins Kapitol zurück, um ihren designierten Nachfolger John Kerry vorzustellen. Am 31. Januar wird Hillary Clinton vermutlich ihren letzten Arbeitstag als Außenministerin absolvieren.

Anschließend will die gesundheitlich noch immer angeschlagene ehemalige First Lady vor allem Zeit mit ihrem Mann Bill Clinton und ihrer Tochter Chelsea verbringen. In ihrer Partei gibt es jedoch einen hohen Erwartungsdruck, dass sie als Kandidatin für die Präsidentschaftswahl 2016 antritt.

Dieser Beitrag lief am 23. Januar 2013 um 19:08 Uhr auf NDR Info.

Stand: 24.01.2013 02:28 Uhr

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