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Nach neuer Gewalt in Libyen
Behörden wollen radikale Milizen auflösen
Libyens Behörden wollen "illegitime Milizen" und bewaffnete Gruppen in dem nordafrikanischen Land auflösen. Betroffen seien alle Gruppen, die sich "der staatlichen Kontrolle entziehen", sagte Parlamentspräsident Mohammed al Magarief in einer von dem Sender Al Dschasira übertragenen Erklärung. "Wir verbieten außerdem den Einsatz von Gewalt und das Tragen von Waffen in der Öffentlichkeit. Auch die Errichtung von Kontrollpunkten ist illegal", so al Magarief weiter. Die staatlichen Behörden seien aufgefordert worden, diese Anordnungen umzusetzen.
Frist von 48 Stunden
Wie die amtliche Nachrichtenagentur Lana meldete, setzte die Armee den Milizen inzwischen eine Frist von 48 Stunden, binnen derer sie alle Kasernen, öffentlichen Gebäude und Grundstücke von Mitgliedern der alten Führung in der Hauptstadt Tripolis und ihrer Umgebung räumen müssten. Andernfalls werde die Armee Gewalt anwenden. Unterdessen hätten in der Stadt Derna östlich von Bengasi zwei islamistische Milizen ihre Auflösung verkündet und beschlossen, die von ihnen besetzten öffentlichen Gebäude zu räumen. Laut Lana handelte es sich um den örtlichen Ableger von Ansar al Scharia und die Brigade der Märtyrer von Abu Slim.
Libysche Bürger stürmen Milizen-Camp
tagesschau 12:00 Uhr, 23.09.2012, Matthias Ebert, ARD Kairo
Die Erklärung al Magariefs folgte nur einen Tag nach einer Großdemonstration gegen Gewalt und islamistische Milizen in der ostlibyschen Stadt Bengasi. Im Anschluss an die Kundgebung mit zehntausenden Teilnehmern hatten hunderte wütende Bürger mehrere bewaffnete Milizen von ihren Stützpunkten verjagt. Dabei wurden mindestens elf Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Der Zorn richtete sich vor allem dagegen, dass seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al Gaddafi vielerorts Milizen das Sagen haben und es die Behörden versäumten, die Gruppen zu entwaffnen.
Demonstranten hatten auch die Gruppe Ansar al Scharia vertrieben, die für den Tod des US-Botschafters Chris Stevens und drei weiterer Diplomaten verantwortlich gemacht wird. Aus Protest gegen den in den USA produzierten islamfeindlichen Mohammed-Film hatten Angreifer am 11. September das US-Konsulat in Bengasi gestürmt.
Stand: 23.09.2012 05:00 Uhr
