Islamistenführer Mokhtar Belmokhtar Der "Einäugige" gegen die "Ungläubigen"

Stand: 17.01.2013 17:42 Uhr

Der "Einäugige", der "Unfassbare" oder "Mister Marlboro": Der Algerier Mokhtar Belmokhtar hat viele Beinamen. In dem kaum kontrollierten Gebiet zwischen Südalgerien, Mali, Tschad, Niger und Mauretanien soll er für verschiedene Geiselnahmen verantwortlich sein. Auch die jüngste Geiselnahme von Ausländern auf einem Gasfeld in Algerien geht vermutlich auf sein Konto. Seine Brigade Al Mouthalimin, was übersetzt "die mit Blut unterschreiben" bedeutet, soll heute 200 bis 300 Mann stark sein.

In Afghanistan ein Auge verloren

Ein undatiertes Video mit dem algerischen Islamistenführer Mokhtar Belmokhtar | Bildquelle: REUTERS
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Sreenshot eines undatierten Videos mit dem algerischen Islamistenführer Mokhtar Belmokhtar

Belmokhtar führt seit vielen Jahren verschiedene Islamistengruppe in der Sahara an - bis vor kurzem war er einer der bekanntesten Anführer des nordafrikanischen Al Kaida-Ablegers AQMI (Al Kaida im islamischen Maghreb).

Geboren wurde Belmokhtar als Khaled Aboul Abbas am 1. Juni 1972 in der algerischen Oasenstadt Ghardaia. Seine Feuertaufe hatte er schon mit 17 Jahren in Afghanistan im Krieg gegen die sowjetischen Besatzer. Dort verlor er auch ein Auge. In einem seltenen Interview mit einem Dschihadistenforum erklärte er im November 2007, in sehr jungen Jahren von den afghanischen Mudschahedin in ihrem Kampf gegen die sowjetische Armee begeistert gewesen zu sein. Er ließ sich in afghanischen Trainingslagern ausbilden, aus denen später das Terrornetzwerk Al Kaida entstand.

Für einen Gottesstaat in Algerien

1993 kehrte Belmokhtar in seine Heimat Algerien zurück, wo er schnell zu einem der Militärchefs der Islamistengruppe GIA aufstieg, die im Kampf gegen die Regierung Massaker an Zivilisten verübte. Fünf Jahre später schloss sich Belmokhtar der Salafistengruppe GSPC an, eine der blutrünstigsten bewaffneten Gruppen in Algerien. In den 1990er Jahren führte sie einen blutigen Krieg für die Errichtung eines Gottesstaates in Algerien.

Mit Geiselnahmen von Ausländern in der Sahara-Region machte die Gruppe Schlagzeilen. Nach ihrer Niederlage betrieb die GSPC den Zusammenschluss aller Dschihadisten in Nordafrika unter dem "Markennamen" Al Kaida. Immer dabei: Belmokhtar.

Im Oktober 2012 wurde er als einer der beiden ranghöchsten Anführer des Netzwerks abgesetzt, wie es aus übereinstimmenden Quellen heißt. Offenbar soll er nach Ansicht der Gruppe mit seinen zahlreichen illegalen Nebenaktivitäten als Schmuggler "vom rechten Pfad" abgekommen sein.

Denn um seine Waffenkäufe zu finanzieren, wurde Belmokhtar im Zigarettenschmuggel tätig - was ihm vorübergehend den Beinamen "Mister Marlboro" einbachte. Auch in Autodiebstähle, Schutzgelderpressung, illegale Einwanderung und Drogenhandel soll Belmokhtar verwickelt sein.

Gegen das "ungläubige Frankreich"

In einem kämpferischen Propaganda-Video erklärte der bärtige Krieger mit dem Glasauge seine Aufgabe: die Stärkung der Scharia, des islamischen Rechts, in Nord-Mali. Belmokhtar warnte vor einem Einsatz gegen die Aufständischen in der Region und rief die Islamisten in aller Welt auf, sich den Kämpfern in Nord-Mali anzuschließen. Gleichzeitig hetzte der Rebellenchef gegen das "ungläubige Frankreich" und die algerischen Eliten, die der früheren Kolonialmacht nahestehen.

Das französische Eingreifen in Mali nimmt Belmokhtar offenbar zum Anlass für den Angriff auf die Gasförderanlagen in Algerien. Sein Argument: Das Volk habe sich in Nordmali entschieden, die Scharia anzuwenden. Wer das verhindern wolle, müsse als Unterdrücker bekämpft werden. Algerien unterstütze die französischen "Kreuzritter" und "Kolonialisten". "Wir werden die Konspiration mit den Franzosen nicht hinnehmen, um die Muslime in Mali zu treffen", heißt es an die algerische Regierung gerichtet, die der französischen Luftwaffe ein Überflugrecht eingeräumt hatte.

(Quelle: dpa/afp/dapd)

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Januar 2013 um 20:00 Uhr.

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